f Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 14. November 2017

Der alte Schießstand bei Wietzenbruch


Gut versteckt im Neustädter Holz zwischen Wietzenbruch und Hambühren befinden sich auffällige Betonreste im Wald - abseits eines Weges türmt sich hier ein hoher Berg auf. Im Volksmund heißt er "Weißer Berg". Geschichten ranken sich um diesen Ort und die historischen Zusammenhänge erschließen sich aus heutiger Sicht nicht mehr unmittelbar. Ein Grund mehr, sich diesen spannenden Ort etwas genauer anzuschauen. 

Auf den ersten Blick scheint es sich nur um eine Anhöhe mit einem vorgelagerten einen Tümpel im Wald zu handeln. Zunächst ist nur wenig Auffälliges zu bemerken. Hinter dem Wasserloch erhebt sich der ca. 20m hohe "Weiße Berg". In diesem Bereich befinden sich deutlich erkennbare Betonfundamente im Boden. Wozu haben sie einst gedient? 

Um den Ort ranken sich auch einige Legenden. So soll angeblich ein Tunnel den Weißen Berg mit dem Celler Schloss verbinden. Außerdem hält sich das Gerücht, dass es im Bereich des Weißen Bergs spuken soll. Der Erzählung nach soll sich hier einst eine Braut in ihrem wißen Kleid aus Liebeskummer erhängt haben. Inwiefern an diesen Geschichten etwas dran ist, lässt sich gegebenenfalls prüfen, wenn die historischen Zusammenhänge des Weißen Bergs nachfolgend näher dargelegt werden. 

Bild: Wasserloch bei Wietzenbruch, im Hintergrund der "Weiße Berg". Quelle: H. Altmann, 2017. 

Einige der Betonreste wurden mit Graffiti besprüht - fast überall liegt Müll herum. Es ist kein Geheimnis, dass oft Kinder hierher kommen. Die alten Betonreste am Weißen Berg haben sich zu einer Art Abenteuerspielplatz entwickelt. An einigen Stellen offenbaren sich Erdlöcher und Öffnungen in den Fundamenten. So sind beispielsweise oben auf dem Weißen Berg einige Bereiche der Betonreste freigelegt bzw. unterhält worden. Und es scheint fast so, als würden geheimnisvolle Gänge in die Tiefe führen. 

Bild: Betonfundament auf dem Weißen Berg. Quelle: H. Altmann, 2017. 

In einen massiven Betonblock wurden starke Metallbolzen verschraubt. Wozu haben sie einst gedient?  

Bild: Betonfundament auf dem Weißen Berg. Quelle: H. Altmann, 2017. 

Mithilfe historischer Luftbilder und topografischer Karten lässt sich jedoch Licht ins Dunkel bringen. Das Messtischblatt aus dem Jahr 1953 zeigt zwischen der, damals noch vorhandenen Bahntrasse (Celle / Hambühren) und dem nördlich hiervon verlaufenden Fuhsekanal, zwei kleinere Gebäude und die Bezeichnung "Schießstand". 

Bild: Schießstand bei Wietzenbruch. Quelle: Messtischblatt 1953; Google Earth. 

Erst eine spätere Karte zeigt schließlich auch die zum Schießstand zugehörigen Schießbahnen. Die Bahn für Langwaffen befand sich einst auf der rechten Seite, also weiter zur Stadt gelegen. Die kürzere Bahn war für Kurzwaffen, d.h. Pistolen vorgesehen. Auch in dieser späteren Karte aus dem Jahr 1967 sind noch beide Gebäude eingezeichnet. 

Bild: Schießstand bei Wietzenbruch. Quelle: Messtischblatt 1967; Google Earth. 

Im hinteren Bereich der längeren Schießbahn befinden sich Eingänge zu scheinbar unterirdischen Stollen. Unterhalb einer massiven Betondecke geht es hier zunächst einige Stufen herab. Allerdings sind die tiefer gelegenen Bereiche offenbar früher zugeschüttet worden. Stehen kann man in diesen Räumen daher kaum. 

Trotzdem legen Markierungen an den Wänden nahe, dass die Räume früher einmal begehbar waren. 

Bild: Stolleneingang hinter der Gewehr-Schießbahn. Quelle: H. Altmann, 2017.  

Offensichtlich wurde vor nicht allzu langer Zeit versucht diesen Tunnel wieder vom Sand zu befreien. Ein wenige Zentimeter breiter und hoher Schacht endet einige Meter weiter in der Dunkelheit. Wozu kann diese Anlage gedient haben? 

Bild: Unterirdischer Schacht an der alten Gewehr-Schießbahn. Quelle: H. Altmann, 2017.  

Ein Vergleich mit anderen militärischen Schießständen, wie insbesondere mit jenem in Dedelstorf, legen nahe, dass es sich bei dem Tunnel um einen Gang für das Personal des Schießstandes handelte. Dieser diente, um im hinteren Bereich der Schießanlage gefahrlos aus die jeweils andere Seite zu gelangen. Andernfalls hätten die Schießwarte hierfür große Umwege in Kauf nehmen müssen. 

An manchen Schießanlagen waren manuelle Scheibenbedienungen nötig. Im Boden befindliche Kabel legen zunächst den Schluss nahe, dass hier bereits eine elektrische Scheibenbedienung vorhanden war. Möglich wäre es - allerdings stammen die auffälligen Kabel aus späteren Jahren. Sie sind mit Kunststoff ummantelt, den es seinerzeit noch nicht gab. 

Der Schießplatz mit den massiven Betonbahnen scheint früher zum Flugplatz Wietzenbruch zugehörig gewesen zu sein. Hierfür spricht auch die Lage und Ausrichtung der Schießbahn. Allerdings spricht die massive Bauweise dafür, dass der Schießstand erst zwischen 1935 und 1939 errichtet wurde. 

Bis in die 80er Jahre müssten die Gebäude für die Schießwarte im vorderen Bereich der Anlage noch vorhanden gewesen sein. Zumindest legen topografische Karten aus dem Jahr 1985 dies nahe. Die Schießbahnen waren zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits abgerissen worden. 

Bild: Schießstand bei Wietzenbruch. Quelle: TK 1:25:000, 1985; Google Earth.  

Insgesamt spricht vieles dafür, dass die noch vorhandenen Baulichkeiten in Form der massiven Betonfundamente zum Kugelfang des alten Schießstandes gehörten. Auch wenn die mutmaßlichen Tunneleingänge in der Vergangenheit Stoff für wilde Spekulationen boten,  waren sie früher wohl weniger geheimnisvoll. Es handelte sich dabei lediglich um technische Zugänge zu den Scheibenbedienungen. Historische Luftbilder bestätigen diese Vermutung weitgehend. 

Unklar bleibt allerdings wann der Weiße Berg entstanden ist. Naheliegend ist aber die Vermutung, dass er aus dem Material des einstigen Schießstandes angeschoben wurde. Dies erklärt auch die Vertiefung, bzw. den Tümpel im vorderen Bereich. 

Gerüchte um Tunnelverbindungen zum Celler Schloss können damit wohl ausgeschlossen werden und in den Bereich der Fiktion einsortiert werden. Ob es dort spukt - wer weiß. Allerdings erklärt sich der Name "Weißer Berg" wohl eher durch den weißen Heidesand, als durch irgendwelche Gespenster... 

Nicht abschließend geklärt werden konnte bislang die einstige Zweckbestimmung einiger ,schräg zur alten Schießbahn verlaufenden Mauerreste. Beachtenswert ist, dass diese Mauern aus einzelnen Ziegeln gesetzt wurden. Standardmäßig war es aber eigentlich üblich derartig massive Mauern einfach aus Beton zu gießen. Auf historischen Luftbildern sind zwar Verbreiterungen in diesem Bereich der Schießbahn erkennbar - es konnte leider bisher aber nicht geklärt werden wozu diese Mauern dienten. 

Bild: Mauerrest am Schießstand bei Wietzenbruch. Quelle: H. Altmann, 2017

Im Ergebnis zeigt sich, dass es sich bei der Anlage im Wald bei Wietzenbruch eindeutig um einen Schießstand handelt. Dieser muss zwischen 1935 - 1939 errichtet worden und durch Einheiten des Flugplatzes Wietzenbruch genutzt worden sein. Gerüchte, dass e sich hierbei um eine alte Flakstellung gehandelt hat, sind somit falsch. 

H. Altmann


Abschließender Hinweis: 
Bitte auf keinen Fall versuchen in die schmalen Tunnelöffnungen zu kriechen. Nachrutschendes Erdreich macht solche Unterfangen lebensgefährlich! Ohnehin gibt es nichts spannendes im Bereich des alten Kugelfangs zu entdecken. 






Montag, 6. November 2017

Das alte Klein Hehlen...?


Mitten im Celler Stadtteil Klein Hehlen - etwas abseits des Bremer Wegs - befindet sich ein kleines Waldstück, das bisher scheinbar fast unberührt geblieben ist. Das könnte sich jedoch in Zukunft ändern, denn eine Änderung des Bebauungsplans ist auf dem Weg. Ein Grund mehr, die Geschichte des Wäldchens näher zu betrachten...

Mit Beschluss vom 28.09.2017 stellte der Rat der Stadt Celle die Weichen für die Planung eines neuen Wohngebietes südwestlich des Bremer Weges zwischen Zugbrückenstraße im Westen und dem Klein Hehlener Bach im Osten. Den südlichen Rand des neuen, zentrumsnahen Wohngebietes soll die vorhandene Wohnbebauung entlang des Straßenzuges "Kaninchengarten" bilden. Das geplante Areal liegt damit mitten im heutigen Stadtteil Klein Hehlen. 

Bild: geplantes Wohngebiet in Klein Hehlen. Quelle: Luftbild 2014, H. Altmann. 

Kurz darauf regte sich Protest im angrenzenden Stadtteil - eine Bürgerinitiative sammelte mehr als 250 Unterschriften (CZ. v. 06.10.2017). Die Initiatoren fürchten um "die letzte grüne Lunge" Klein Hehlens, so berichtete die Cellesche Zeitung

In der Tat ist die ca. 3 ha große Fläche eine Art "grünes Relikt" innerhalb Klein Hehlens. Historisch gesehen hat dieser Ort einiges zu bieten, wie sich in den nachfolgenden Untersuchungen zeigen wird. 

Der einzige Zugang zu dem eingezäunten Gelände befindet sich an der Zugbrückenstraße. Hier ist eine Zufahrt, die derzeit genutzt wird, um zu den Weideflächen für Pferde auf dem Gelände zu gelangen. 

Bild: Zugang an der Zugbrückenstraße in Klein Hehlen. Quelle: H. Altmann. 

Die Pferdeweisen nehmen aber nur einen überschaubaren Bereich des Areals ein. Der Großteil des Geländes ist mit einem Mischbestand aus Kiefern, Eichen und Strauchwerk bewachsen. Größere Aufforstungsmaßnahmen sind bisher nicht erfolgt. 

Während die Weideflächen recht eben sind, befinden sich in den von Bäumen bestanden Bereichen natürliche Sanddünen, die teilweise eine beachtliche Höhe und Ausdehnung aufweisen. 

Bild: Pferdeweiden. Quelle: H. Altmann. 

Wie historische Karten belegen, befand sich früher ein Schießstand, bzw. eine Schießbahn, auf dem Gelände - im Bereich der heutigen Weideflächen. Dies erklärt auch, warum die natürlichen Sanddünen nur noch in den Randbereichen vorhanden sind. Es war früher nicht unüblich die Schießplätze aus Sicherheitsgründen in Dünengebieten anzulegen. 

Da sich das Schützenhaus an der Ecke Zugbrückenstraße - Bremer Weg in unmittelbarer Nähe befindet, ist anzunehmen, dass es sich auch um einen zivil genutzten Schießstand gehandelt hat. Im Zweiten Weltkrieg diente die Schießbahn allerdings auch militärischen Zwecken. Infanterieeinheiten aus den Celler Kasernen marschierten regelmäßig zum Üben zum Klein Hehlener Schießstand. 

Bild: Schießstand Klein Hehlen. Quelle: Google Earth, Messtischblatt 1942. 

Noch bis Kriegsende sollen Übungen auf dem Schießplatz abgehalten worden sein. Aus jener Zeit stammen vermutlich auch die bis heute sichtbaren baulichen Reste der einstigen Anlagen. Es handelte sich dabei wohl um Lagerbunker für Waffen oder Munition. 

Als nach Kriegsende die Celler Kasernen von britischen Truppen übernommen wurden, nutzten diese den Schießplatz in Klein Hehlen weiter. Noch heute sind an einigen Stellen Schützengräben aus diesen Tagen im Gelände erkennbar. Die Bunker wurden schließlich von den britischen Truppen beseitigt, bzw. zerstört. Auf Karten aus dem Jahr 1981 sind noch entsprechende Baulichkeiten im Gelände verzeichnet. 

Bild: Schießstand Klein Hehlen. Quelle: Google Earth, DGM 1981. 

Erhalten geblieben ist heute nicht mehr viel von den Bunkern und dem Schießplatz. Nur im Randbereich der Weideflächen erinnert ein Trümmerhaufen aus Stahlbetonklötzen an die einstigen Bunkeranlagen. Man hatte sich scheinbar keine weitere Mühe gegeben die Reste gänzlich abzutragen. 

Bild: Bunkerreste in Klein Hehlen. Quelle: H. Altmann. 

Weiter im hinteren Teil der früheren Schießbahn befindet sich noch eine mit Efeu überwachsene Betonplatte, die vermutlich als Fundament für die Bunker diente. Diese waren sicherlich nur zu Lagerungszwecken errichtet worden und mussten daher lediglich Schutz vor Querschlägern bieten. 

Bild: Bunkerreste in Klein Hehlen. Quelle: H. Altmann. 

Am Klein Hehlener Bach zeigt sich die Tektonik des Geländes sehr deutlich. Ursprünglich bestand vermutlich das gesamte Areal aus den natürlichen Sanddünen. Der Klein Hehlener Bach - früher "Bitschenbeck" - ist ein natürlicher Wasserlauf, der weiter südlich in die Aller mündet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts diente der Bach zur Bewässerung der südlich gelegenen Wiesenflächen. Dort entstand später die Wohnbebauung im Bereich der Straße Kaninchengarten. 

Bild: Klein Hehlener Bach. Quelle: H. Altmann. 

Als sich zwischen Klein Hehlen und der Aller noch ausgedehnte Weiden befanden, war eine künstliche Bewässerung erforderlich. Hierfür wurden im Lauf des Klein Hehlener Bachs künstliche Staustufen eingerichtet. Auch im Areal an der Zugbrückenstraße sind noch Reste einer solchen Staustufe vorhanden. Sogar die Metallelemente, die einst zum Einsatz der Schütten dienten, sind noch vorhanden. 

Bild: Staustufe im Bereich des Klein Hehlener Bachs. Quelle: H. Altmann. 

Neben seiner interessanten Geschichte im 20. Jahrhundert scheint dieser Ort auch noch auf andere spannende historische Zusammenhänge zurückzublicken. Der Celler Heimatforscher Friedrich Barenscheer berichtete in einem Artikel im Sachsenspiegel (CZ. v. 31.03.1950) über untergegangene Dörfer im Raum Celle. Dabei erwähnte er auch den "Teinert" in Klein Hehlen. Diese alte Feldflur befindet sich ebenfalls an der Zugbrückenstraße in Klein Hehlen - genau gegenüber des nun als Wohngebiet geplanten Geländes. 

Der Überlieferung nach standen diesem Bereich die zehn alten Höfe, die einst das ursprüngliche Dorf Klein Hehlen begründeten. Barenscheer schloss in seinen Untersuchungen, dass das alte Dorf Klein Hehlen von Flugsanden und Wanderdünen verschüttet wurde. Dieses Schicksal teilten früher scheinbar noch andere Dörfer, wie bereits gezeigt werden konnte (Suche nach Abbenburen (Hambühren) Klick). Den konkreten Standort des Dorfes konnte Barenscheer zwar nicht nachweisen - mithilfe einer beigefügten Skizze wurden Leser jedoch aufgefordert die Suche nach dem alte Dorf Klein Hehlen fortzusetzen. Dieser Aufforderung kommen wir hiermit gerne nach. 

Bild: Karte des Heimatforschers F. Barenscheer zur Lage des alten Dorfes Klein Hehlen. Quelle: F. Barenscheer, in: der Sachsenspiegel, CZ. v. 31.03.1950. 

Margret Eggers hielt die historische Entwicklung Klein Hehlens in einer handgeschriebenen Chronik im Jahr 1942 fest. Darin erwähnt sie insbesondere die Ausgrabungen im Bereich des "Teinert" und den hiermit vermuteten Standort des alten Dorfes. 

"Auch der Klein Hehlener Bach, dessen altes Flussbett man noch verfolgen kann" ist für Eggers ein Indiz das auf den alten Ort hindeutet. Sie vermutet im Folgenden, dass ein großes Feuer den alten Ort zerstört haben könnte. Auch Barenscheer gab in seinen Aufzeichnungen an, dass im Rahmen der Ausgrabungen Spuren eines Brandes gefunden wurden. Ob es allerdings tatsächlich zehn alte Höfe gab, oder sich eine solche Brandkatastrophe ereignete ist bis heute noch nicht weiter untersucht worden. 


Bild: Auszug Chronik Klein Hehlen. Quelle: Eggers, Mein Heimatort Klein Hehlen, 1942. 

Neben einem Brand kämen wohl noch weitere Ursachen der Verwüstung eines möglichen alten Klein Hehlen in Betracht. In diesem Zusammenhang sind auch die möglichen Einwirkungen durch Sandverwehungen und Wanderdünen beachtenswert. Bereits im Rahmen der Untersuchungen zum alten Ort "Abbenburen" (Hambühren) konnten die historischen Zusammenhänge dargelegt werden. Auch Barenscheer hielt die Möglichkeit, dass der alte Ort Klein Hehlen Wanderdünen weichen musste, für plausibel. Hierfür spräche insbesondere der auffällige Verlauf des Klein Hehlener Baches sowie die vor Ort deutlich erkennbaren Sandablagerungen. 

Der Kulturlandschaftsforscher Florian Friedrich hat die Zusammenhänge der Wanderdünen westlich von Celle bereits untersucht. In einem 2009 erschienenen Zeitungsbeitrag legte Friedrich dar, dass vor rund 300 Jahren Wanderdünen in unserer Gegend durchaus ein reales Problem darstellten. 

Bild: Celle Sand unter - Dünen bedrohten Residenzstadt. Quelle: Friedrich, in: Cellesche Zeitung vom 02.05.2009

Allerdings kann die Zeitangabe von 300 Jahren nicht die Zusammenhänge um das alte Dorf Klein Hehlen erklären. Denn die vermutete Ortslage wäre dann bereits in zeitgenössischen Karten und anderen Überlieferungen wiedergegeben worden. Der Untergang des alten Klein Hehlen muss also weiter zurückliegen - sollte es diesen Ort überhaupt jemals gegeben haben. 

Kartografische Darstellungen können hierbei leider nur bedingt helfen. Erste detaillierte Karten zeigen den Ort Klein Hehlen um 1749 bereits nördlich der Straße von Celle nach Hamburg bzw. Bremen. In Höhe des Klein Hehlener Bachs sind jedoch in dieser Darstellung keine Auffälligkeiten verzeichnet worden. 


Bild: Klein Hehlen um 1749. Quelle: Gsellius, Plan der Stadt Zelle im Lüneburgischen, 1749.

Spätere Karten zeigen den Ort ebenfalls an seinem heutigen Standort nordöstlich des Klein Hehlener Baches. Allerdings zeigt eine Karte aus dem Jahr 1758 die bereits vorhandenen Sanddünen südlich von Klein Hehlen. Beachtenswert ist, dass in der Karte diese Dünen östlich des Klein Hehlener Baches verzeichnet sind. Ist dies vielleicht ein Hinweis, dass die Dünen westlich des Baches erst später entstanden sind? Oder handelt es sich um eine Ungenauigkeit der Karte - diese wäre damals durchaus "üblich" gewesen...


Bild: Klein Hehlen um 1758. Quelle: Plan der Stadt Zelt, 1758.

Möglicherweise ist die Lösung vielschichtiger als bislang angenommen wurde. Hierfür würden ebenfalls die Ergebnisse der bisher stattgefunden Bodenuntersuchungen sprechen. Barenscheer beschreibt in seinen Ausführungen archäologische Untersuchungen, die im Jahr 1928 in diesem Bereich erfolgt sind. Diese, von einem Dr. Rüggeberg betreuten Ausgrabungen, lieferten offenbar jedoch noch Anzeichen viel älterer Siedlungen, die offenbar bis in die Steinzeit zurück datieren. 

Tatsächlich weisen im Jahr 1991 in einem flachen Dünenrand gemachte Funde bei Klein Hehlen auf einen mesolithischen Ursprung hin (Mittelsteinzeitliche Fundplätze im Landkreis Celle, K. Breest, S. 44, FStNr. 5). Es konnten hier ein Schlagstein, drei Keramikscherben, sieben Kernsteine sowie beschlagene Klingen sichergestellt werden.

Im Bereich des Kaninchengarten in Klein Hehlen ist zumindest ein Grabhügel überliefert  worden (Müller, Vor- und frühgeschichtliche Alterthümer der Provinz Hannover, Hannover 1893). Ob hier bereits Ausgrabungen stattfanden ist bislang nicht geklärt. 


Bereits historische Karten aus dem 18. Jahrhundert, wie insbesondere die Kurhannoversche Landesaufnahme von 1781 belegen, dass vor Ort natürliche Sanddünen vorzufinden sind. Eine Datierung dieser Sandablagerungen ist nicht einfach, wie bereits im Rahmen der Untersuchungen zum alten Dorf Hambühren gezeigt werden konnte. 

Bild: Sanddüne im Bereich des Klein Hehlener Bachs. Quelle: H. Altmann. 

Erwiesener Maßen stellten die Sanddünen im Bereich des einstigen Allerurstromtals regelmäßig einen natürlichen Schutz für die Ansiedlung - aber auch als Begräbnisstätten dar. Das Abtragen von Dünen brachte - insbesondere im Rahmen der Verkoppelung im 19. Jahrhundert - eine Vielzahl von frühzeitlichen Fundplätzen zutage. 

Es liegt daher nahe, dass auch das Dünengelände in Klein Hehlen einen Fundplatz für stein- und / oder bronzezeitliche Funde darstellen könnte. Zumal in den Bereichen ringsherum entsprechende Funde gemacht wurden, erscheint dies wahrscheinlich. 

Sollte es tatsächlich zu den geplanten Bauarbeiten kommen, müssten zahlreiche Bäume gefällt werden. Bei den anstehenden Baumfällarbeiten würden sicherlich auch erhebliche Bodeneinwirkungen entstehen. 

Bild: Eichenbestand heute. Quelle: H. Altmann. 

Neben den Baumfällarbeiten stünden im Falle von möglichen Baumaßnahmen auch umfassende Erdarbeiten an. Es wäre davon auszugehen, dass die derzeitige natürliche Tektonik in Form bestehender Sanddünen in weiten Bereichen komplett abgetragen werden müsste. 

Bild: Geländetektonik heute. Quelle: H. Altmann. 

Bislang sind vor Ort scheinbar nur stichprobenhafte Prospektionen vor längerer Zeit erfolgt. Da es sich jedoch um eines der letzten natürlichen Dünengebiete in den Stadtgrenzen Celles handelt, wäre es gut, dieses umfassend zu untersuchen. 

Die voranschreitende Bebauung kann sicherlich nicht aufgehalten werden. Allerdings wäre wünschenswert die möglicherweise vorhandenen Bodendenkmäler entsprechend zu untersuchen und potentielle Funde sicherzustellen. 

Bild: Gelände in Klein Hehlen. Quelle: H. Altmann.

Sinn und Zweck der Heimatforschung ist es, regionalhistorische Zusammenhänge zu erkunden. Durch Zufall stieß ich im Rahmen der Untersuchungen zu Hambühren auf Hinweise die mit Klein Hehlen zusammenhängen. Inwiefern es tatsächlich einen archäologisch nachweisbaren alten Ort gab, ließ sich bisher nicht abschließend klären. Zu jener Zeit in der die bisherigen Ausgrabungen stattfanden, wurden diese Angelegenheiten völlig anders als heute dokumentiert. 

Es wäre also durchaus möglich, dass im Rahmen von Baumaßnahmen spannende neue Erkenntnisse ans Tageslicht kommen... 

H. Altmann



Dienstag, 31. Oktober 2017

Das Celler Lager im Großen Moor


Im Großen Moor bei Stüde (Landkreis Gifhorn) gab es früher ein Lager des Celler Zuchthauses. Rund 60 km vom Celler Stammgefängnis entfernt mussten Häftlinge in den dortigen Torfstichen arbeiten... 

Nachdem der Zweite Weltkrieg im Frühjahr 1945 geendet hatte, stand nach den warmen Sommermonaten der strenge Winter ins Haus. Lieferengpässe sorgten für eine Knappheit an Heizmaterial. So wurden vielerorts Wälder abgeholzt - auch durch die britische Besatzung. 

Kurz nach Kriegsende begann die Celler Stadtverwaltung wegen des akuten Brennstoffmangels die Torfwerke Habighorst und Stüde zu aktivieren. In Habighorst war bereits nach dem Ersten Weltkrieg Torf als Brennmaterial gewonnen worden. Ende 1946 arbeiteten dort wiederum 70 Arbeiter, wovon 50 aus der Celler Haftanstalt stammten. 

Bild: Torfabbau mit Raupen-Bagger und Bodenableger. Quelle: Tacke / Keppeler, Die niedersächsischen Moore und ihre Nutzung, Hannover 1940, S. 47. 

Das weitaus ergiebigere Torfabbaugebiet befand sich allerdings am Rand des Großen Moores bei Stüde im Landkreis Gifhorn. Bereits im Frühjahr 1946 konnte hier die Produktion aufgenommen werden. Dabei war das Torfabbaugebiet keineswegs neu. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg gab es nördlich von Gifhorn ausgedehnte Torfstiche. Als eine der größten Gesellschaften war hier die Norddeutsche Torfmoors Gesellschaft in Triangel bei Gifhorn tätig. Schon im Jahr 1925 arbeiteten ca. 547 Personen im Torfabbau. 


Bild: Celler Lager bei Stüde (Bildmitte). Quelle: DGM 1:25.000, 1981; Google Earth. 

Für das Celler Lager bei Stüde war eine Fläche von 110 Morgen von einem Studier Landwirt für 25 Jahre angepachtet worden. 110 Arbeiter wovon 90 Häftlinge der Celler Haftanstalt waren, arbeiteten fortan im Moor in der Torfgewinnung. Acht Aufseher waren für die Beaufsichtigung der Häftlinge zuständig.  

Nachdem der Torf gestochen war, musste er mittels Pressen getrocknet werden. War die Torfsaison beendet, konnte ebenfalls Holz gewonnen werden, das ebenfalls als Brennstoff abtransportiert wurde. Im Celler Lager bei Stüde konnte zudem noch ein wertvoller Rohstoff gewonnen werden: ca, 700 Bunde getrocknetes Binsengras, das an die Celler Bürstenfabrik geliefert und dort zu Besen weiterverarbeitet werden konnte. 

Die Celler Bürstenfabrik, die sich früher mitten in Celle in der Straße "Im Kreise" befand, war bereits Gegenstand eines vorherigen Beitrags: Klick

Bild: Celler Bürstenfabrik. Quelle: Archiv H. Altmann. 

Bild: Celler Bürstenfabrik. Quelle: Archiv H. Altmann. 

Auch wenn es die Celler Bürstenfabrik heute nicht mehr gibt, steht das einstige Fabrikgebäude immer noch. Das Haus ist saniert und vermietet. 

Bild: Celler Bürstenfabrik heute. Quelle: H. Altmann. 

Schon im Jahr 1949 hatte sich die Versorgungslage entspannt und Heizmaterial war in ausreichender Menge verfügbar. Damit ging der Torfabsatz der Celler Torfabbaustätten merklich zurück. Nur mit Mühe konnte der gewonnene Torf noch abgesetzt werden, da er ohnehin nur ein Behelfsbrennstoff war. 

Die Verluste des Celler Lagers bei Stüde stiegen im August 1949 bis auf rund 72.000 DM an. Daher sah die Stadtverwaltung keine Zukunft mehr im Weiterbetrieb der Torfabbaustätten. Das defizitäre Werk Stüde wurde schließlich im Jahr 1950 veräußert. 

Zunächst zogen Flüchtlingsfamilien in die leerstehenden Gebäude ein. Auch in den späteren Nachkriegsjahren blieb das Celler Lager bewohnt. Bis heute sind einzelne Gebäude noch in Privatbesitz und werden bewohnt. 

Vom Lager sind somit bis heute noch Teile erhalten geblieben. Über schmale Wege erreicht man das kleine Lager am Rand des Großen Moores. 

Bild: Weg zum Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Versteckt in den ausgedehnten Birkenwäldern befindet sich das einstige Celler Lager in unmittelbarer Nähe zum später errichteten Elbe-Seitenkanal. An baulicher Substanz fällt zunächst ein massives Gebäude im zentralen Lagerbereich ins Auge. 

Das eingeschossige Gebäude könnte früher die Torfpressen beherbergt haben, da es insbesondere über entsprechende bauliche Vorrichtungen und Stromanschlüsse verfügt. 

Bild: Lagergebäude im Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Das Lager verfügte über eine gesonderte Stromversorgung, die eigens hierfür angelegt worden war. 

Bild: Lagergebäude im Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Bild: Lagergebäude im Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Neben dem massiven Lagergebäude gibt es im Bereich des Celler Lagers noch eine alte Nissenhütte. Aufgrund ihrer Bauart scheint diese ebenfalls aus der Gründungszeit des Celler Lagers zu stammen. 

Bild: Nissenhütte im Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Unmittelbar am Zufahrtsweg befinden sich weitere bereits stark verfallene Gebäudeteile. Diese scheinen auch in den Folgejahren noch zu unterschiedlichen Zwecken genutzt worden zu sein. 

Bild: verfallenes Gebäude im Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Umgeben ist das Celler Lager von den Weiten des Großen Moores, welches sich im Westen bis über Neudorf-Platendorf hinaus erstreckt. Die Gegend ist bis heute vom Torfabbau geprägt. 

Bild: Torfabbau im Großen Moor heute. Quelle: H. Altmann. 

Die Geschichte des Celler Lagers bei Stüde verdeutlicht wie vielschichtig das Thema Heimatforschung sein kann. Ohne die entsprechenden Verknüpfungen würde man schlichtweg nicht auf die Idee kommen, am Rand des Celler Moores, ein ehemaliges Lager des Celler Zuchthauses zu suchen. 

Die Arbeitsgemeinschaft Fahrradwege in der Gemeinde Sassenburg setzt sich für Themenradwege mit historischem Bezug ein. Gerne habe ich hierfür Bildmaterial zur verfügung gestellt und mich sehr gefreut auf diese Geschichte aufmerksam gemacht worden zu sein. Ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig eine gute Vernetzung im Bereich der Heimatforschung ist. 

H. Altmann




Donnerstag, 26. Oktober 2017

Der alte Zehnthof Groß Ottenhaus


Etwas abseits der Bundesstraße 214 befindet sich ein einsamer Hof: Groß Ottenhaus. Dieser blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Kürzlich wurde ein Teil des Hofes durch ein Feuer zerstört. Lange hatte ich geplant über die Hofstelle zu schreiben und Material gesammelt... 

Groß Ottenhaus findet bereits im 13. Jahrhundert Erwähnung, als Herzog Otto das Kind im Jahr 1243 den innerhalb der Mark Celles an der alten Braunschweiger Heeresstraße gelegenen Hf Ottenhaus der Herzogin Agnes mit allem zugehörigen Besitz schenkt. Direkt an der Heeresstraße befand sich der Hof jedoch erst später, denn der Straßenverlauf folgte seinerzeit zunächst noch dem Flusslauf der Aller bis nach Bockelskamp, wo sich die Wege nach Gifhorn und Braunschweig verzweigten. 

Nach dem Tode Agnes, die als Stifterin des Wienhäuser Klosters in die Geschichte einging, sollte Ottenhaus an das Kloster fallen. Im Jahr 1248 fiel der Hof mit dem Tod der Herzogin an das Kloster und wurde urkundlich in dessen Besitz bestätigt. In der Folgezeit wurde der Hof vom Wienhäuser Kloster verpachtet. Das Kloster übte somit die Zehntrechte sowie die Gerichtsbarkeit über Ottenhaus aus. 

Damit steht der Hof - alleine schon namentlich ("Domus Ottonis" = Haus Ottos) in der Tradition einer der wichtigsten historischen Celler Adelsfamilien. Inwiefern die geografische Nähe des Hofes zum einstigen Klosterhof in Nienhagen für einen dortigen Standort des einstigen Klosters spricht, kann abschließend noch nicht beurteilt werden. Allerdings liegt es sehr nahe, dass dieser Hof aufgrund seiner Nähe zum Kloster in dessen Besitz überging. 

Im 16. Jahrhundert wandelte sich der Name vorübergehend zu "Mottenhaus", bzw. "Mottenhausen", wie ebenfalls historische Karten belegen. 

Bild: Mottenhausen bei Celle (Ottenhaus). Quelle: Environs der Statt Zelle, 1747. 

Dass sich die Hofanlage mitsamt den umliegenden Ländereien in kirchlichem Besitz befand, lässt sich noch heute an der traditionellen Aufteilung der angrenzenden Feldfluren erkennen. Diese wurden im Zuge der Verdoppelungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert nicht aufgeteilt, sondern sind heute noch fast so erhalten wie zur Zeit der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1781. 

Bild: Gr. Ottenhaus bei Celle. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme, 1781; Google Earth. 

So zeigt sich auch heute rund um Groß Ottenhaus noch die traditionell rundliche Feldflur, die in dieser Form eigentlich fast kaum noch im Landschaftsbild vorkommt. 

Klein Ottenhaus dürfte als Aussiedlung von Groß Ottenhaus anzusehen sein. Im Hausbuch der Burgvogtei von 1664 erscheint bereits die Köthnerstelle Klein Ottenhaus. Diese verfügte über einen Ammenzaun (Bienen). 

Im Jahr 1804 errichtete Jürgen Heinrich Martens aus Altencelle an der neuen Braunschweiger Heeresstraße an der Abzweigung nach Bockelskamp eine Anbauerstellt und Gastwirtschaft. Hierbei handelt es sich um den späteren "Strohkrug". 

Bild: Gr. Ottenhaus bei Celle. Quelle: Preuß. Messtischblatt 1900; Google Earth. 

Später war Groß Ottenhaus in das Kirchspiel Altencelle eingepfarrt. Im Jahr 1858 bestand Ottenhaus aus zwei pflichten Höfen, wobei Groß Ottenhaus immer noch als adelig freies Anwesen des Klosters Wienhausen in dessen niederer Gerichtsbarkeit geführt wurde. klein Ottenhaus dagegen war eine pflichtige Hausstelle, die zur Burgvogtei Celle zugehörig war. 

Der Unterhalt der baufälligen Hofstelle wurde für das Kloster mit der Zeit jedoch zu aufwändig. Daher wurde die Hofstelle schließlich verkauft. Die umliegenden Ländereien verblieben im Besitz des Klosters Wienhausen. 

Heute erinnert nur noch wenig an die einst stolze Zeit des großen Zehnthofes. Bis Oktober 2017 waren das Haupthaus mit angebauter Dreiständer-Scheune, ein historischer Speicher sowie einige Nebengebäude erhalten. Die Hofstelle ist bis heute von mächtigen Eichen umgeben, die vermutlich ein Maximalalter von bis zu 600 Jahren aufweisen. 

In den 60er Jahren wurden zu Dokumentationszwecken Fotografien der Gebäudebestandteile angefertigt. Die Bilder vermitteln recht anschaulich, dass sich die Hofanlage um 1963 noch in einem verhältnismäßig guten Zustand befand. 

Bild: Gr. Ottenhaus um 1963. Quelle: mit Erlaubnis durch LAD Niedersachsen, Bildindex.de

Bild: Gr. Ottenhaus um 1963. Quelle: mit Erlaubnis durch LAD Niedersachsen, Bildindex.de

Bild: Gr. Ottenhaus um 1963. Quelle: mit Erlaubnis durch LAD Niedersachsen, Bildindex.de

Bild: Gr. Ottenhaus um 1963. Quelle: mit Erlaubnis durch LAD Niedersachsen, Bildindex.de

Im Jahr 1971 kam es schließlich zum Verkauf des Hofes durch das Kloster. Die Gebäude lagen seitdem zeitweise brach, sodass sich ein erheblicher Sanierungsbedarf anstaute. Dies zeigen unter anderem Bilder, die ich im Jahr 2016 von der Hofstelle anfertigen konnte. 

Bild: Gr. Ottenhaus bei Celle. Quelle: H. Altmann, 2016. 

Bild: Gr. Ottenhaus bei Celle. Quelle: H. Altmann, 2016. 

Bild: Gr. Ottenhaus bei Celle. Quelle: H. Altmann, 2016. 

Bild: Gr. Ottenhaus bei Celle. Quelle: H. Altmann, 2016. 

Im Oktober 2017 ereignete sich ein Gebäudebrand, der das Haupthaus und die angebaute Scheune aus dem 16. Jahrhundert schwer beschädigte. Kurz nach dem Brand aufgenommene Luftbilder zeigen das Ausmaß des Brandes. Die Scheune wurde fast komplett zerstört. Die Nebengebäude waren offenbar nicht durch den Brand betroffen. 

Bild: Gr. Ottenhaus bei Celle. Quelle: H. Altmann, 2017. 

Der alte Zehnthof Groß Ottenhaus ist eins der wenigen Relikte im Raum Celle, das sogar noch namentlich an die Zeit der großen Celler Herzöge erinnert. Durch die frühe Schenkung an das Kloster Wienhausen blieben die traditionelle Feldfluren weitgehend in ihrer Form bestehen und sind heute noch immer Zeugnis vergangener Tage. Erst im Jahr 2017 begann der neue Besitzer mit dem Ausbau der historischen Hofstelle. Es bleibt zu hoffen, dass möglichst lange noch möglichst viel des alten Zehnthofes erhalten bleibt...

H. Altmann


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