f Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 21. Februar 2017

Der geheime Scheinflugplatz bei Bokel



Im Dreieck zwischen Celle, Uelzen und Gifhorn gab es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zahlreiche deutsche Rüstungseinrichtungen. Insbesondere die Luftwaffe nutzte die großen Freiflächen der Heidegebiete, da diese günstig und unkompliziert erworben werden konnten. Arbeitskräfte standen in großer Zahl zur Verfügung, da in etlichen Lagern Fremdarbeiter und Militärinternierte zum Arbeitseinsatz herangezogen werden konnten. 

Neben den großen Flugplätzen in Wesendorf, Dedelstorf und Wietzenbruch gab es viele Ausweich- und Abstellflächen. Die zunehmende Bedrohung aus der Luft machte darüber hinaus aber auch noch andere Anlagen erforderlich. Bei Wilsche war zur Ablenkung feindlicher Bomberverbände ein sogenannter Scheinflughafen errichtet worden. Aus Holz wurden dort Attrappen von Hangar-Gebäuden und anderen Einrichtungen aufgestellt. Quellen und Aufzeichnungen findet man über diese, bereits früher sehr geheimen Anlagen, heute kaum noch. Zeit- und Augenzeugen gibt es fast keine mehr, denn die Zivilbevölkerung bekam meist erst ach Kriegsende mit worum es sich bei den Anlagen handelte. 

Vieles spricht dafür, dass nicht nur der Fliegerhorst Wesendorf einen Scheinflughafen hatte, sondern dass auch der Fliegerhorst Dedelstorf einen solchen besaß. Zumindest findet sich beim wenige Kilometer nördlich gelegenen Ort Bokel ein entsprechender "Flugplatz". 

Bild: Bokel und der mutmaßliche Flugplatz. Quelle: Google Earth, War Office Map 1951. 


Die Karte des britischen War Office aus dem Jahr 1951 basiert auf den historischen preußischen / deutschen Messtischblättern. Diese Kartengrundlage wurde im Zweiten Weltkrieg von den Ingenieuren der alliierten Luftaufklärung um Orte und Gebäude ergänzt, die auf Luftbildern erkannt worden waren. Und so findet sich unmittelbar nordöstlich des Ortes Bokel der Hinweis auf ein "Airfield" - also einen Flugplatz. 

In der Karte sind ebenfalls ein Landekreuz und einige Gebäude sowie Zufahrtswege verzeichnet. Allerdings werfen bereits die mickrigen Ausmaße des Flugfeldes Fragen auf - kann es sich hierbei tatsächlich um einen einsatzbereiten Flughafen der deutschen Luftwaffe während des Krieges gehandelt haben? 

Bild: Flugplatz bei Bokel. Quelle: Google Earth, War Office Map 1951. 


Vor Ort ist es heute schwierig noch erkennbare Spuren des einstigen Flugplatzes zu finden. Eigentlich sieht alles recht idyllisch aus. Darüber hinaus scheint die Gegend für einen Flugplatz viel zu hügelig und uneben zu sein. 

Trotzdem lassen sich einige Reste der damaligen Anlagen finden, wenn man sich an die oben bezeichnete Karte hält. So fällt insbesondere die betonierte Zufahrtsstraße auf. Diese Bauweise war typisch für die Flugfelder in damaliger Zeit und wurde unter anderem auch auf dem Einsatzhafen Hustedt verwendet. 

Bild: Reste der Zufahrtsstraße und Rollbahn. Quelle: H. Altmann. 


Zur Linken eröffnet sich relativ bald eine weite ebene Fläche. Der historischen Karte nach lag in diesem Bereich einst das Landekreuz des Flugplatzes. Hiervon ist heute aber nichts mehr zu erkennen. Unklar ist somit die stark befestigt die Lande- und Startbahnen waren. 

Bild: ehem. Flugfeld. Quelle: H. Altmann. 


Unmittelbar stellt sich die Frage wo die Flugzeuge abgestellt wurden, die hier hätten starten sollen. Es war nich unüblich die Maschinen in dreieckigen Einschnitten abzustellen, die in die Waldränder geschlagen wurden. So wurde unter anderem auch auf den Abstellflächen bei Zahrenholz verfahren. Trotzdem hätte es bei einem langfristig geplanten Flugfeld entsprechende Infrastruktur und Gebäude gegeben. Man hätte kein aufwändiges Landekreuz in die Landschaft gebaut ohne entsprechende Abstellmöglichkeiten zu errichten. Quasi ein Widerspruch in sich. 

Auch die Anzahl der in der Karte eingetragenen Gebäude passt nicht zu einem richtigen Flugplatz. Ein solcher hätte Lagerplatze, Unterkünfte, Treibstoffanlagen etc. erfordert. Es scheint somit schwer vorstellbar, dass 5-6 kleine Gebäude, die der Karte nach sehr wahrscheinlich nur Baracken waren, zum Betrieb eines einsatzfähigen Flugplatzes ausgereicht haben. 

Es spricht also einiges dafür, dass es sich nicht um ein richtiges Flugfeld, sondern nur um einen angetäuschten Platz handelt. Diese sogenannten Scheinflughäfen sollten feindlicher Bomber auf eine falsche Fährte locken. Sie waren so angelegt, dass sie von den alliierten Aufklärern entdeckt werden sollten. Gelegentlich wurden sie auch nachts beleuchtet. 

Möglicherweise ist diese Taktik beim Scheinflugplatz bei Bokel aufgegangen. Im angrenzenden Wald finden sich zahlreiche Einschlagskrater, die augenscheinlich von Fliegerbomben stammen. 

Bild: Bombenkrater im Wald. Quelle: H. Altmann. 


Leider sind sowohl über den Flugplatz als auch seine mögliche Bombardierung kaum Informationen verfügbar. Auch die lokalen Chroniken sind hinsichtlich dieser Zusammenhänge nicht stichhaltig. Es bleiben somit bisher nur die noch erkennbaren Spuren, um auf die historischen Gegebenheiten zu schlussfolgern. 

Auch im Zusammenhang zum Standort Dedelstorf gibt es leider keine Hinweise darauf, dass bei Bokel ein offizieller Scheinflugplatz existiert hat. 

Bild: Bombenkrater im Wald. Quelle: H. Altmann. 


Interessant ist warum im britischen Kartenmaterial der Hinweis auf einen Flugplatz gegeben wird. Für gewöhnlich geschah so etwas nur dann, wenn vor Ort tatsächlich Start- und Landemöglichkeiten vorhanden waren. 

Insgesamt lässt sich festhalten, dass so einiges an der Geschichte des einstigen (Schein-)Flugplatzes bei Bokel im Dunkeln liegt. Möglicherweise können in Zukunft neue Erkenntnisse gewonnen werden. Aufgrund der schwierigen und dünnen Quellenlage lässt sich insofern nach heutigem Stand leider nur feststellen, dass es hier einst einen möglichen Flugplatz gegeben hat. Die noch vorhandenen Relikte und Hinweise begründen den Verdacht, dass es sich um einen Scheinflughafen zur Deckung des Fliegerhorsts bei Dedelstorf gehandelt haben kann. 

Über weitere Hinweise freue ich mich immer: found-places@live.de 


Hendrik


Montag, 6. Februar 2017

Der geheimnisvolle Königsplatz bei Lachtehausen


Unmittelbar hinter Lachtehausen befindet sich zur Linken ein Parkplatz. Folgt man dem dort beginnenden Forstweg einige hundert Meter in das Waldgebiet der "Sprache" so erreicht man nach wenigen hundert Metern einen Abzweig - ebenfalls zur Linken. Dieser von alten Eichen gesäumte Weg führt in Richtung der Lachte. An seinem Ende befindet sich - gut versteckt - der sogenannte "Königsplatz"... 


Bis heute ist nicht geklärt woher dieser Ort seinen Namen hat. Auch die Frage, wie lange die Bezeichnung "Königsplatz" bereits verwendet wird, ist bislang nicht geklärt. Offenbar liegt die Entstehung des Namens zumindest so weit in der Vergangenheit, dass ihr Ursprung nicht mehr eindeutig zu ermitteln ist. Es gibt hierzu verschiedene Theorien. 

Zuerst taucht der Name in der Preußischen Landesaufnahme von 1900 auf. 

Bild: Kartenausschnitt - Königsplatz in der Sprache. Quelle: Preußisches Messtischblatt 1900. 

Der Legende nach waren Herzog Georg Wilhelm, sein Neffe Georg Ludwig und der englische König Wilhelm III. im Jahr 1698 auf der Jagd und sollen dabei die englisch Thronfolge besprochen haben. Georg Ludwig wurde tatsächlich im Jahr 1714 als Georg I. den englischen Thron. Insofern könnte der Königsplatz eben auf jene denkwürdige Stelle verweisen an der die bedeutsame Unterredung stattgefunden haben könnte. Die Sprache war schon von alters her ein herrschaftliches Waldgebiet und wird beispielsweise in der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1780 als "königlich" bezeichnet. Es stellt sich in diesem Zusammenhang allerdings die Frage warum auf der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1780 noch kein Königsplatz verzeichnet war. 

Bild: Weg in Richtung des Königsplatzes in der Sprache. Quelle: H. Altmann. 

Ohnehin gibt die Anlage des Königsplatzes Rätsel auf. Die alte Straße zwischen Lachendorf und Lachtehausen verlief früher in einem Bogen nördlich der heutigen Landstraße. Allerdings befindet sich der Königsplatz noch ein ganzes Stück nördlich der alten Straßenverbindung. Möglicherweise handelte es sich also tatsächlich um den Standort einer alten Jagdhütte oder dergleichen. In ihrer Zeit als Residenzstadt der Herzöge waren adelige Jagdgesellschaften zumindest nichts ungewöhnliches und der Königsplatz scheint als Jagdplatz durchaus plausibel. 

Bild: Königsplatz in der Sprache. Quelle: Preußisches Messtischblatt 1900, Google Earth. 

Eindeutige Beweise für ein so hohes Alter des Königsplatzes finden sich keine. Hinzu kommt noch eine weitere Überlegung. So schrieb der Celler Stadtchronist Clemens Cassel in seiner Chronik der Stadt Celle, dass eine Celler Bürgervereinigung gegen Ende des 19. Jahrhunderts Wege und Ruhesitze in der Sprache errichten ließ. 

Am 9. November 1875 traten etwa 100 Einwohner der Altstadt zur Bildung eines Bürgervereins zusammen. Ihr Ziel war es städtische Angelegenheiten und gemeinnützige Bestrebungen jeder Art zu fördern. Am Anfang bestand dieser Verein überwiegend aus Kaufleuten und Handwerkern und wollte Änderungen hinsichtlich der Gewerbeordnung erwirken. Verschiedene andere Stadtteile folgten diesem Beispiel, sodass es es bis 1886 auch in der Hehlentorvorstadt, der Altencellervorstadt, und in Neuenhäusen entsprechende Vereinigungen gab. Die Ziele waren dabei zumeist unterschiedlicher Art. Auf Bestreben des altstädtischen Bürgervereins wurde beispielsweise ein "Verein gegen die Hausbettelei" ins Leben gerufen, der allerdings nach Kurzem wieder von der Bildfläche verschwand. 

Andere Themen wurden offenbar nachhaltiger verfolgt. Insbesondere wirkte seit 1888 eine im altstädtischen Bürgerverein gebildete "Verschönerungskommission" weiter. Sie ließ in der Sprache, bei Klein Hehlen und im Neustädter Holz Spazierwege mit Ruhesitzen anlegen. 

Bild: Königsplatz in der Sprache. Quelle: Postkarte um 1900. 

Derartige Vereinigungen wären gegen Ende des 19. Jahrhunderts keine Seltenheit. In vielen großen deutschen Städten entstanden solche Vereine, in der Absicht stadtnahe Erholungsgebiete, Parks, begehbare Wallanlagen und Waldgebiete zu schaffen bzw. umzugestalten, mit Ruhebänken, eingefassten Quellen, schattigen Alleen und dergleichen zu versehen. Es wurden je nach Ort unterschiedlichste Projekte umgesetzt. Meist gehörten die Mitglieder dieser Vereine der bürgerlichen Schicht an. Im Ergebnis sollten die umgesetzten Projekte sowohl den eigenen Freizeitbedürfnissen dienen, als auch einer Steigerung der Standorte hinsichtlich der Attraktivität für den Fremdenverkehr. 

Vor diesem Hintergrund scheint es naheliegend, dass der Königsplatz ein künstlich geschaffener Erholungsort ganz im Zeitgeist des ausklingenden 19. Jahrhunderts gewesen sein könnte. Seinerzeit gehörte es durchaus dazu den Orten historisch bedeutsame Namen zu geben. 

Bislang unbelegte Hinweise deuten darauf hin, dass der Königsplatz durch Schützengesellschaften im Zuge örtlicher Schützenfeste aufgesucht wurde. Für die regionale Tradition der Schützenfeste erscheint es ungewöhnlich einen Platz so weit außerhalb des Ortes aufzusuchen. Quellen für oder gegen diese Annahme liegen leider bislang nicht vor. 

Heute liegt der Königsplatz recht vergessen und verlassen dar. Trotz seiner Nähe zur Landstraße ist er ziemlich abgeschieden...

Bild: Königsplatz in der Sprache. Quelle: H. Altmann. 

Die einst stolzen Eichen wurden von den umstehenden und schnellwachsenden Nadelhölzern überholt und vom Sonnenlicht abgeschnitten. Daher sind einige der damals wohl mächtigen Bäume mittlerweile morsch. Märchenhaft gruselig und moosbewachsen ranken sich die Äste der alten Eichen in die Mitte des Königsplatzes, wo zumindest noch etwas Licht zu erhaschen ist. 

Bild: Königsplatz in der Sprache. Quelle: H. Altmann. 

Verlassen und alleine steht auch die alte Hütte. Es ist zwar nicht mehr die originale Konstruktion, aber offenbar wurde sie an derselben Stelle errichtet an der bereits zuvor ein überdachter Pavillon gestanden hat. 

Bild: Königsplatz in der Sprache. Quelle: H. Altmann. 

Die Wände der Holzhütte sind übersät mit eingeritzten Namen. Scheinbar verirren sich doch ab und zu noch Leute zum Königsplatz. 

Insgesamt stellt sich die ganze Szene und der Königsplatz recht trostlos dar. Hier hat man nicht das Gefühl in der Nähe der Zivilisation zu sein - vielmehr stellt an sich unmittelbar die Frage welche Geschichten sich dort wohl bereits zugetragen haben mögen. Waren hier tatsächlich einst adelige Jagdgesellschaften unterwegs? 

Bild: Hütte am Königsplatz in der Sprache. Quelle: H. Altmann. 

Selbst, wenn dies nicht der Fall sein sollte, hat der Königsplatz noch immer eine besondere Atmosphäre. Ganz ohne Frage wirft dieser Ort auch weiterhin Rätsel auf. 

Die Anlage des Platzes und die Stärke der umstehenden Eichen deutet zumindest darauf, dass der Platz in seiner jetzigen Erscheinung erst um 1900 oder kurz zuvor angelegt worden sein dürfte. Das heißt aber natürlich nicht, dass der Name des Platzes nicht schon wesentlich älter sein kann. 

Bild: Alte Eiche am Königsplatz in der Sprache. Quelle: H. Altmann. 

Insgesamt ist der Königsplatz bei Lachtehausen ein besonderer Ort, der auf jeden Fall eine spannende Geschichte vermittelt. Leider weisen keinerlei Schilder auf die Existenz dieses mysteriösen Platzes hin. Möglicherweise hatte dieser Umstand bislang aber auch etwas Gutes - auf diese Weise konnte der Königsplatz seine Geheimnisse bis heute gut versteckt bewahren... 

H. Altmann


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Quellen: 

- Clemens Cassel, Geschichte der Stadt Celle, Celle 1934. 
- Annette Schneider, Rolf Wilhelm Brednich, Natur - Kultur. 






Sonntag, 5. Februar 2017

Führung am 05.02.2017: Die SS und das Konzentrationslager Bergen Belsen

Gedenkstätte Bergen Belsen. Am 05.02.2017 fand im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte eine Führung zu thematisch ausgewählten Aspekten des einstigen Konzentrationslagers statt. Rund 25 Teilnehmer waren dem kostenlosen Angebot gefolgt und ließen sich von deren Leiter, Dr. Thomas Rahe, durch die Dauerausstellung führen. Dr. Rahe erläuterte den Alltag im sogenannten "Austauschlager" anschaulich anhand der Exponate der Ausstellung. 

Das KZ Bergen Belsen hatte im Lagersystem des Dritten Reiches eine Sonderstellung. Von Beginn an war es nicht als Vernichtungslager konzipiert und verfügte demzufolge auch nicht über entsprechende Krematorien, wie Dr. Rahe berichtete. Vielmehr war das Lager dazu bestimmt, ausschließlich jüdische Häftlinge gegen deutsche Staatsbürger "einzutauschen". Allerdings erlangten nur rund 2.400 jüdische Häftlinge auf diesem Weg in die Freiheit - das Austauschlager umfasste insgesamt rund 14.500 Häftlinge. Viele der verbliebenen wurden erst am 15. April 1945 durch die britischen Truppen befreit oder noch auf sogenannte "Todesmärsche" geschickt. Für die meisten hat sich die Hoffnung auf einen Austausch nicht erfüllt, schlussfolgerte Dr. Rahe. 

Bild: Führung am 05.02.2017. Quelle: H. Altmann. 


Die Dauerausstellung hält beeindruckende historische Quellen bereit. Unter anderem finden sich hier etwa 30 erhalten gebliebene Tagebücher von einstigen KZ-Häftlingen, die sehr detailliert vom damaligen Lageralltag berichten. Damit verfügt das Dokumentationszentrum in Bergen Belsen über die größte Sammlung von Tagebüchern im Vergleich zu einstigen Konzentrationslagern. 

Es sind insbesondere die routinemäßigen Abläufe, die den Besuchern die Beklommenheit der einstigen Lageratmosphäre verdeutlichen. Das KZ funktionierte einst wie eine Behörde, erläuterte Rahe hierzu. 

Bild: Führung am 05.02.2017. Quelle: H. Altmann. 


In der Endphase des Zweiten Weltkrieges wurde das KZ Bergen Belsen zum Ziel etlicher Transporte aus anderen Lagern. Nun konnte niemand mehr sagen er habe von den Ereignissen nichts gewusst, so Dr. Rahe mit Hinblick darauf, dass die einstigen Transporte und Märsche oftmals tagsüber durch bewohntes Gebiet erfolgten. 

Als vorletzte Station wurden den Teilnehmern Fotografien der britischen und amerikanischen Truppen - aufgenommen am 15. / 16. April 1945 gezeigt und die Hintergründe erläutert. Bei vielen der Schwarzweißaufnahmen handelte es sich um Beweisfotos, die in den späteren Gerichtsprozessen verwendet wurden. Die Bilder verdeutlichen das Ausmaß des Grauens. Da es an entsprechenden Krematorien mangelte, versuchte die SS kurz vor der Übergabe des KZ, die Leichen von tausenden Häftlingen auf Scheiterhaufen zu verbrennen. Dies misslang jedoch und die Leichen konnten nur noch in behelfsmäßig ausgehobene Gruben geworfen werden. Den britischen Truppen, die am 15. April 1945 in Bergen-Belsen eintrafen, boten sich unfassbare Zustände im Lager. 

Bild: Führung am 05.02.2017. Quelle: H. Altmann. 


Die Führung endete mit den sogenannten "Belsen Trials", also den Prozessen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Konzentrationslager Bergen Belsen. Diese fanden bereits weit vor den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen statt und gehören daher zu den ersten gerichtlichen Prozessen gegen Täter des Holocaust. Zahlreiche Täter und (Mit-)Verantwortliche konnten sich jedoch kurz vor Einmarsch der Alliierten absetzen und sind somit jedweder gerichtlichen Verurteilung entgangen. 


H. Altmann



Montag, 30. Januar 2017

Das vergessene Flugfeld bei Zahrenholz




Heute erinnert nichts mehr an die ehemaligen Abstellflächen für Kampfflugzeuge bei Zahrenholz. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Heide in unmittelbarer Nähe der heutigen Ortschaft "Texas" zu einem improvisierten Flugfeld, auf dem brisante Waffentechnik der Luftwaffe untergebracht wurde... 


Im dünn besiedelten Dreieck zwischen Celle, Uelzen wurden bis 1945 zahlreiche geheime Rüstungseinrichtungen untergebracht. Besondere Stellung hatte hierbei die Luftwaffe. Neben den Flugplätzen bei Celle gab es wichtige Luftfahrteinrichtungen bei Dedelstorf und Wesendorf. Bei diesen Standorten handelte es sich um ausgebaute Flugfelder mit entsprechenden baulichen Anlagen. Allerdings gab es noch weitere - weniger bekannte - Einrichtungen, die für den regelmäßigen Flugbetrieb unerlässlich waren. 

So verfügte der Flugplatz Wesendorf über einen sogenannten Scheinflugplatz nordwestlich von Gifhorn bei Wilsche. Neben derartigen Einrichtungen verfügten die beiden großen Flugfelder bei Dedelstorf und Wesendorf aber auch noch über ausgelagerte Flächen, die bis zum Kriegsende als Abstellplätze für hochmodernes Kriegsgerät genutzt wurden. 

Erforderlich wurden die behelfsmäßigen Abstellplätze, die u.a. für Flugzeuge von Nachtjägerstaffeln genutzt wurden, als im Westen immer mehr Flugfelder aufgrund des alliierten Vormarsches ausfielen. Zum Ausgleich wurden die Flugplätze im Reich übermäßig stark belegt. Für die "überzähligen" Flugzeuge war häufig nicht ausreichend Schutz vorhanden - befestigte Hangar waren ohnehin nur selten vorhanden, Splitterschutzboxen waren nur in begrenzter Anzahl verfügbar und häufig dienten bereits in die Wälder geschlagene Dreiecke als notdürftige Albstellflächen, die durch Tarnnetze nur provisorisch verdeckt werden konnten. 

Die Heideflächen zwischen den vorhandenen Flugplätzen bei Dedelstorf und Wesendorf boten gute Abstellmöglichkeiten für Kampfflugzeuge. Außer historischen Quellen und den Berichten von Zeitzeugen ist heute nichts mehr geblieben das an diese Ausweicht- und Abstellflächen erinnert. Auf Karten sind die Flugfelder nicht verzeichnet und auf historischen Luftbildern sind sie nur schwer erkennbar - ein Zeichen dafür, dass sie ihre einstige Bestimmung sinngemäß erfüllt haben. Oftmals wurden diese improvisierten Flugplätze erst mit Einmarsch der alliierten Bodentruppen entdeckt. Dabei fielen den Alliierten nicht selten bedeutende rüstungstechnische Entwicklungen in die Hände. 

Bild: Lage der einstigen Abstellfläche südlich von Zahrenholz. Quelle: War Office Map 1945. 


Erst gegen Ende des Krieges - im September 1944 - wurde die Start- und Landebahn durch Fremdarbeiter angelegt. Sie hatte eine Länge von ca. 900m und war 200 - 300m breit. Das Gelände südlich von Zahrenholz bestand aus brachliegenden Heideflächen, die mit vereinzelten Kiefern und Birkenbüschen bewachsen waren. Diese wurden gerodet und eine geeignete Freifläche geschaffen. Nördlich der Straße, an der sich heute die Siedlung Texas befindet, wurde eine Start- und Landebahn errichtet. 

Die angrenzenden Wälder dienten als natürliche Abstellmöglichkeit für die Flugzeuge. Hierfür wurden dreieckige Einschnitte vorgenommen, in die sich die Flugzeuge schieben ließen. Anschließend wurden die abgestellten Flugzeuge mithilfe von Tarnnetzen verborgen. In Röhren, welche im Boden eingelassen waren, steckte man Kiefern, sodass die Flugzeuge für die alliierte Luftaufklärung kaum sichtbar waren. Für die Mannschaften des Flugplatzes wurde eine entsprechende Holzbaracke im Wald errichtet. Die sonstige Koordination und Organisation des Flugfeldes scheint offenbar von Wesendorf aus erfolgt zu sein. 


Bild: Lage der einstigen Abstellfläche südlich von Zahrenholz. Quelle: War Office Map 1945 / Google Earth. 


Der Ausweichflugplatz bei Zahrenholz diente vor diesem Hintergrund vorwiegend als Abstellfläche für den großen Flugplatz bei Wesendorf. Zwischen Dezember 1944 und März 1945 wurden vor allem große Maschinen vom Typ Ju 88 und Ju 188 auf dem Platz abgestellt. 


Bild: Ju 88 im Flug. 


Die Junkers Typ 88 war eins der meinst produzierten Flugzeuge im Zweiten Weltkrieg. Zahlreiche Spezialisierungen und Modifizierungen führten schließlich zum Typ Ju 188. Beide Flugzeugtypen wurden auf dem Abstellplatz bei Zahrenholz unmittelbar vor Kriegsende noch ausweichmäßig untergebracht. Bis zu 20 Maschinen sollen auf dem Ausweichplatz zeitweise untergekommen sein. 


Bild: Abgestellte Ju 188. 


Anfang April 1945 zeichnete sich das Kriegsende bereits ab. Am 09.04.1945 wurde der nahegelegene Flugplatz bei Wesendorf geräumt. Im Wesentlichen bedeute dies, dass die noch vorhandenen Flugzeuge gesprengt oder unbrauchbar gemacht wurden und die militärischen Bestände vor der Ankunft der US Truppen vernichtet werden sollten. Das Bodenpersonal erhielt zudem noch eilige Schulungen mit Handfeuerwaffen, um als "letztes Aufgebot" die nahenden feindlichen Verbände zu verlangsamen. Einige dieser notdürftig ausgerüsteten und nur unzureichend geschulten Truppen wurden später auch bei Oppershausen eingesetzt. 

Am 9. April erreichten neun einmotorige Maschinen vom Typ Arado 96 aus Wesendorf kommend den Ausweichplatz bei Zahrenholz. Es handelte sich um Flugzeuge die eigentlich nur zu Schulungszwecken eingesetzt wurden. Aus welchem Grund sie unmittelbar vor Kriegsende aus Westendorf abgezogen und nach Zahrenholz verlegt wurden ist bis heute nicht geklärt. 

Da die Flugzeuge zunächst auf dem freien Rollfeld standen, wurden amerikanische Tiefflieger auf sie aufmerksam. Zunächst ging nur ein US Jagdbomber zum Angriff über. Bald darauf waren es insgesamt sechs Tiefflieger, die das Flugfeld und die auf ihm abgestellten Maschinen mit schwerem Feuer aus ihren Bordmaschinenkanonen belegten. Die Flugzeuge wurden dabei völlig zerstört. Darüber hinaus entstanden ausgedehnte Brände auf der trockenen Heidefläche. Die Mannschaften und Anwohner hatten alle Mühe damit die Flächenbrände einzudämmen. 

Bild: Lage der einstigen Abstellfläche südlich von Zahrenholz. Quelle: Google Earth. 


Die Heideflächen sind heute genauso aus dem Landschaftsbild verschwunden wie das einstige Flugfeld. Im Grunde ist wirklich nichts mehr davon zu finden. Gebäude hatte es ohnehin bis auf eine Holzbaracke nicht gegeben. Mittlerweile werden die Flächen landwirtschaftlich bewirtschaftet. 

Bild: Abstellfläche bei Zahrenholz heute. Blick in Richtung Texas. Quelle: H. Altmann. 


In seiner Gesamtausprägung scheint das Flugfeld nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Anders als die umliegenden Standorte bei Wesendorf, Dedelsdorf und auch bei Celle (Wietzenbruch, Hustedt) taucht der Abstellplatz bei Zahrenholz nicht in offiziellen Listen der Alliierten auf. Auch auf Karten wurde er nicht verzeichnet. Eine Nachnutzung durch die Alliierten fand ebenfalls nicht statt. 


Bild: Abstellfläche bei Zahrenholz heute. Die Start-/Landebahn verlief durch die Bildmitte von rechts nach links.  Quelle: H. Altmann. 


Das Flugfeld bei Zahrenholz hatte insgesamt nur eine untergeordnete Bedeutung. Es wurde nur noch wenige Monate vor Ende des Krieges genutzt und war dabei mehr oder weniger nur eine improvisierte Abstellmöglichkeit für überzählige Maschinen, die in Wesendorf aus Kapazitätsgründen nicht hätten untergebracht werden können. Heute erinnern sich nur noch wenige an das damalige Geschehen. Vor Ort sind kaum noch sichtbare Spuren vorhanden, sodass die Geschichte des Flugfeldes mittlerweile stark in Vergessenheit geraten ist. 

Bild: Abstellfläche bei Zahrenholz heute. Äußeres Ende des einstigen Abstellfläche bei Texas. Quelle: H. Altmann. 


Möglicherweise verfügt der ein- oder andere noch über weitere Informationen zum Flugfeld bei Zahrnholz oder den umliegenden Flugplätzen. Ich würde mich sehr freuen mehr darüber herauszufinden (found-places@live.de) 


Hendrik



Freitag, 27. Januar 2017

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus




Einige gute Gründe warum wir diesem Tag Beachtung schenken sollten... 


In Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 ist dieser Tag seit 1996 ein gesetzlich verankerter Gedenktag. Der Bundestagspräsident Norbert Lammert führte in seiner Gedenkrede vor dem Bundestag am 27. Januar 2008 aus, dass es sich um einen Gedenktag für alle Opfer des Nationalsozialismus handelt. 

Die Opfer des nationalsozialistischen Regimes sind nicht mit "Opfern des Holocaust" gleichzusetzen. Über die systematische Vernichtung in den Konzentrationslagern hinausgehend, konnte im NS-Staat jeder Opfer werden. Deutsche. Ausländer. Gläubige. Ungläubige. Klein. Groß. Völlig egal. 

Eigentlich sollte die Erinnerung für uns Menschen so selbstverständlich wie das Atmen sein. Die aktuellen Entwicklungen zeigen jedoch, dass es erforderlich ist, sich der Notwendigkeit des Gedenkens bewusst zu werden. 


Geschichte beginnt vor der Haustür...

In Celle und Umgebung gab es zwischen 1933 und 1945 Lager für Zwangsarbeiter, Fremdarbeiterlager, Konzentrationslager, Außenlager, Männerlager, Frauenlager. Lager für so ziemlich jeden, der im Dritten Reich auf seine bloße Arbeitskraft reduziert wurde. Diese Lager waren nicht "irgendwo im Osten". Die Lager waren nicht nur Auschwitz. Nicht nur Buchenwald. Nicht nur Neuengamme. Die Lager waren hier - unmittelbar vor unseren Haustüren. 

Die Zahl der Leute, denen heute alleine im Landkreis Celle gedacht werden sollte, geht in die Zehntausende. 

Alleine in der Lufthauptmunitionsanstalt Hambühren-Övengönne waren zwischen 1940 bis 1945 rund 1.477 Ausländer zur zwangsmäßigen Arbeit verpflichtet. Im Lager Hambühren "Waldeslust" waren zeitweise ca. 400 polnische und deutsche Jüdinnen untergebracht und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Sie waren im KZ Auschwitz zum Arbeitseinsatz selektiert, nach Bergen-Belsen und schließlich nach Hambühren gebracht worden. 

Bild / Quelle: CZ v. 15.04.1985. 


Neben den großen Rüstungsbetrieben, waren seinerzeit in fast jedem großen Unternehmen im Raum Celle in irgendeiner Form Zwangsarbeiter beschäftigt. Auf fast jedem Hof in jedem Dorf waren Kriegsgefangene zum Arbeitseinsatz verpflichtet. 

In seinem Werk "Zwangsarbeit in der Lüneburger Heide" stellt Nils Köhler bereits eingangs heraus, dass der Begriff der "Zwangsarbeit" sehr facettenreich ist und der näheren Untersuchung bedarf. Den Ausführungen Köhlers ist zuzustimmen - daher verweise ich hierzu auf sein Buch. 

"Zwangsarbeit" konnte im Dritten Reich jeden - auch jeden Deutschen - treffen. Durch die sogenannte "Kräftebedarfsverordnung" vom 23.06.1938 war es dem Staat grundsätzlich möglich, jeden zum verpflichtenden Arbeitseinsatz einzuberufen. Wenn wir heute also  den Opfern des Nationalsozialismus gedenken, dann sollten wir auch bedenken welche Umstände dieses Geschehen möglich machten - Umstände, die sich auf keinen Fall  wiederholen dürfen! 

Jeder Celler kennt die Geschehnisse des 8. April 1945. Die "Celler Hasenjagd" ist wohl eins der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte und wurde bereits in zahlreichen Ausarbeitungen aufgearbeitet.  Weniger bekannt sind die Ereignisse, die sich unmittelbar vorher abspielten. So erreichten mehrere sogenannte "Totenmärsche" den Raum Celle, z.B. in Winsen, Groß Hehlen und per Bahn auch bei Wienhausen

Bild: Luftangriff am 08.04.1945. Quelle: Luftbild USAAF, Sammlung H. Altmann. 


Im Rahmen von Recherchen um die Auffindung von Massengräbern bei Wienhausen stieß ich auf Aussagen, die darauf deuten, dass es noch weitere Gräber gegeben hat, die bis heute nicht aufgefunden werden konnten. Ähnlich verhält es sich mit den Toten auf den Fußmärschen nach Bergen-Belsen und mit den am 8. April 1945 Ermordeten, die möglicherweise bis heute nicht gefunden wurden. 

Bild / Quelle: CZ v. 06.04.1985. 


Bis heute sind also längst nicht alle Zusammenhänge des Dritten Reiches aufgeklärt. Über diese Zusammenhänge ließen sich noch etliche Bücher schreiben - und sie werden sicher geschrieben. 

Heute wird der Opfer der Nationalsozialismus gedacht. Das ist sinnvoll. Denn (Ge-)Denken kann man nicht genug. 


p.S.: 

Hinsichtlich der aktuellen Vorstöße einschlägiger politischer Parteien, in Bezug auf eine geforderte 180° Wende in der Erinnerungskultur, möchte ich folgendes Zitat anfügen: 

"Was sagt Ihnen dieses Buch, was es uns nicht sagt?" - "Es sagt mir, dass im Stechschritt marschierende Idioten wie Sie, die Bücher lieber lesen sollten, anstatt sie zu verbrennen!" 
(Sean Connery, Indiana Jones "Der letzte Kreuzzug").

H. Altmann 

Bild: Inschrift der Gedenktafel am Bahnübergang zwischen Wienhausen und Sandlingen. Quelle: H. Altmann. 





Donnerstag, 8. Dezember 2016

Der Mann der auszog, die Weihnachtsstimmung zu suchen

Da ist sie wieder - die Weihnachtszeit! Obwohl es eigentlich eine besinnliche Zeit "zwischen den Jahren" ist, hat sie häufig mal so gar nichts Besinnliches. Man hetzt von A nach B um Geschenke zu kaufen, überall in den Geschäften ist es voll, viele Besorgungen sind zu erledigen - wer will schon über die Feiertage auf etwas verzichten? Von den Absprachen mit der Verwandtschaft ganz zu schweigen. Es soll eben ein perfektes Fest werden und muss  daher organisiert werden. Auch im Büro herrscht oft Stress - vieles soll noch im"alten Jahr" erledigt werden. 

Bei den ganzen Verpflichtungen und Besorgungen vergisst man schnell, worauf es bei der ganzen Sache wirklich ankommt. 

Als ich kürzlich alte Unterlagen im Rahmen einer Recherche durchstöberte, fiel mir eine alte Zeitung in die Hände. Die darin abgedruckte Weihnachtsgeschichte stammt zwar aus einer anderen Zeit - passt aber erstaunlich gut zu unserer. 

Damit wünsche ich weiterhin eine schöne und vor allem ruhige Vorweihnachtszeit. 
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Der Mann der auszog, die Weihnachtsstimmung zu suchen...


Es war einmal ein Mann, der hatte sich nicht unterkriegen lassen wollen. Er hatte die Zähne zusammengebissen und gearbeitet - tagein, tagaus - manches Jahr hindurch. Er hatte die Arbeit allem vorangestellt. Sich Freuden versagt, Freundschaften einschlafen lassen, da er "nie Zeit" hatte. Er hatte alles beiseite geschoben, bis auf den Gedanken "ich will vorwärts kommen, ich will durchhalten." 






Und wieder kam der Dezembertag, da er am Morgen das Kalenderblatt auf seinem Schreibtisch umblätterte, die 23 sah und zu sich sagte: "ich weiß nicht - in diesem Jahr habe ich so gar keine Weihnachtsstimmung." 




Er dachte müde an die Geschenke, die morgen da sein würden, den Baumkuchen von Tante Emma, wie jedes Jahr, die Werbegeschenke seiner Kunden und das gute Essen. 

Aber die rechte Weihnachtsstimmung wollte nicht aufkommen. 

Da fing er an, seine üblichen Weihnachtsgaben herzurichten. Er nahm Geld aus seiner Kasse und Briefumschläge vom Schreibtisch. Er begann mit dem Silberstück für den Hausmeister. 

Aber die Weihnachtsstimmung kam trotzdem nicht. 




Da ließ er es sein und ging in die Stadt hinaus. Entschlossen, die Weihnachtsstimmung zu suchen. Als er, wie schon seit längerer Zeit nicht mehr, unentschlossen und ziellos durch die Straßen ging, war er umgeben von frohen Menschen, die mit Paketen beladen an ihm vorbeiströhmten. 

Erst jetzt bemerkte er wie allein und freudenlos er war und so konnte er die Weihnachtsstimmung nicht finden. 

Er wollte wenigstens Pakete haben, wie die anderen. Aber er bemerkte, wie er von Schaufenster zu Schaufenster ging, sodass er gar nicht wusste was er schenken sollte. So arm waren seine Beziehungen zu den anderen Menschen geworden. 




Gerade als er sich sagte "für mich gibt es gar keine Weihnachtsstimmung mehr", da fand er sich vor einem großen Schaufenster eines Spielwarenladens. Froh in der Scheibe erblickte er die leuchtenden Augen von zwei Kindern, die all die Herrlichkeiten betrachteten, die sie sich ganz gewiss nicht leisten konnten. 




Da nahm er die beiden Kinder bei der Hand und ging in den Laden hinein. Die strahlenden Augen der Kinder, die Baukästen, Eisenbahnen und Zinnsoldaten betrachteten, ließ ihn schnell erkennen, was er anderen gutes schenken könnte. 

Er verließ den Laden - und als er die beiden Kinder (paketbeladen) vor ihrer Haustüre abgesetzt hatte, fiel ihm auf, dass er die Weihnachtsstimmung nicht länger zu suchen brauchte. 




Denn Weihnachtsstimmung macht hellsichtig. Sie kommt vom Schenken und sich selbst verschenken und nicht davon Geschenke zu bekommen. 

Der Mann, der sich fast alles bisher hatte leisten können, erkannte, dass es nicht auf das Geld und die Geschenke an sich ankam. Wichtiger war es anderen eine Freude machen zu können. 

Der Mann hatte die Weihnachtsstimmung gefunden. 






Sonntag, 20. November 2016

Geheimer Bunker


Manchmal lebt Geschichte auch von ihren Geheimnissen. Nur selten kann man heute noch Bunker und Bauten finden, die nicht bereits mutwillig zerstört und beschmiert wurden. Daher werden auch keine Angaben zum genauen Ort gemacht - um möglichen Zerstörungen vorzubeugen. 

Man kann sich wirklich wundern an welch entlegenen Winkeln sich Relikte des Zweiten Weltkriegs in Form von Bunkern aufspüren lassen. So wie dieser scheinbar längst vergessene Bunker im Raum Celle. Das Objekt liegt tatsächlich weit ab vom Schuss und doch war es einst Teil eines für damalige Verhältnisse modernen Schießstandes. 

Quelle: H. Altmann. 


Möglicherweise konnte der besagte Schießstand im Bereich der Scheibenaufhängung von Außen betreten werden. Vielleicht befand sich darunter sogar eine Kelleranlage. Den baulichen Gegebenheiten nach muss der verbunkerte Zugang etwa gegen Ende der 30er Jahre entstanden sein. 

Quelle: H. Altmann. 


Von weiter entfernt kaum sichtbar führt ein unverschlossener Zugang eine Treppe hinab. Allerdings wurde der Bunker nach Ende des Krieges zerstört, sodass Teile davon verschüttet wurden. 

Quelle: H. Altmann. 


In den Wänden klaffen große Risse von den Sprengungen. Das Erdreich ist an manchen Teilen nachgesackt, sodass das Betreten nicht ungefährlich ist. 

Quelle: H. Altmann. 


derzeit laufen noch die Forschungen rund um das umliegende Gelände - auch ein Grund warum der genaue Standort bis auf weiteres noch nicht genannt werden soll. Früher befand sich in unmittelbarer Nähe ein militärisch genutzter Bereich. Der Bunker gehörte offenbar zu den einstigen Schießanlagen. Allerdings ließ sich noch nicht klären ob es eventuell verschüttete Bereiche gibt, die (noch) unzugänglich sind. 

Quelle: H. Altmann. 





Freitag, 4. November 2016

Die alte Celler Ratsziegelei...



An der Straße zwischen Garßen und Alvern befindet sich ein einzeln liegendes Gehöft. Es ist abseits der Straße gelegen, hinter Teichen und umgeben vom einst unbesiedelten Schweinebruch. In alten Karten findet sich hier der Hinweis auf einen "Ziegelhof" oder auch die "Rathsziegelei" - doch was hat es damit auf sich. 

Bereits Clemens Cassel erwähnt die Ratsziegelei in seiner Chronik der Stadt Celle. Der Celler Stadtchronist lässt offen, ob es sich dabei vielleicht um eine Schenkung durch den Celler Herzog Magnus (1324-1373) handeln könnte. Schriftliche Belege finden sich erst ab dem Jahr 1530 als die Ratsziegelei erstmals als "Tiegelhus" in städtischem Besitz erwähnt wird. 

In zwei Brennöfen wurden 1550 bereits 28.000 Ziegel hergestellt. Die Ziegelei muss einen enormen Aufschwung erlebt haben, denn schon 1556 wurden in vier Brennöfen rund 67.000 Ziegelsteine hergestellt. 

In einem Lehnsbrief vom 30. März 1574 wird eine Ziegelkote in Garßen erwähnt (Kote = Kothof --> Siehe Köthner). In diesem Gebäude wohnte der "Ziegelmeister", der für die Ratsziegelei verantwortlich war. Bereits in den Rechnungen der Celler Kalandsverbindung wird ein "Tegelmester to garsen" in der Zeit von 1501 bis 1513 erwähnt. Das Hausbuch der Burgvogtei Celle von 1664 berichtet, dass später auch die sogenannten Ziegelknechte auf dem Hof in Garßen untergekommen sind. 

Die Steine der Ratsziegelei standen den Celler Bürgern als kostengünstiges Baumaterial zur Verfügung. Möglicherweise waren sie etwas zu kostengünstig, denn in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts verlor die Ratsziegelei an Bedeutung. Es ist nicht näher belegt worin sich der Niedergang begründete. 

Im Jahr 1609 wurden die Kuhlen, aus denen der zur Herstellung der Ziegel gewonnene Ton stammte, zu Fischteichen umfunktioniert. Im Jahr 1733 wurde der Ziegelhof verpachtet. Im städtischen Haushalt des Jahres 1743 wurden Pachteinnahmen in Höhe von 201 Talern für den Ratsziegelhof ausgewiesen. 

Der Ziegeleibetrieb wurde erst 1885 vollständig eingestellt, was eine Erklärung dafür wäre, dass die Ziegelei bis ins Jahr 1904 auf Karten als solche ausgewiesen wurde. 


Erste kartografische Erwähnung des Ziegelhofes im Jahr 1732...

Quelle: Environs von der Statt Zell, 1732. 


Der Ziegelhof im Jahr 1781...

Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme, 1781. 


Die Ratsziegelei im Jahr 1904...


Quelle: Preußische Landesaufnahme, 1904. 


Die Zufahrt der einstigen Ratsziegelei heute...

Quelle: H. Altmann, 2014. 


H. Altmann