f Heeresmunitionsanstalt "Waldlager" (Hänigsen/Wathlingen) ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Montag, 25. Juni 2012

Heeresmunitionsanstalt "Waldlager" (Hänigsen/Wathlingen)

Hallo zusammen, 

in diesem Beitrag geht es um die ehemalige Heeresmunitionsanstalt (Muna) "Waldlager" bei Hänigsen gelegen. 

Lage: 
Im Wald zwischen Wathlingen (LK Celle) und Hänigsen (Region Hannover). 

Heutige Nutzung: 
Die Lorenz Snackworld GmbH & Co. KG betreibt dort ein Lager. 


Bericht: 
Leider wurde mir Seitens der Lorenz Snackworld GmbH & Co. KG nicht gestattet das Gelände zu betreten, obgleich es zu zivilen Zwecken heute nutzbar ist. daher sind alle Fotos von außerhalb des Zaunes entstanden. Das ist zwar einerseits Schade, aber andererseits auch verständlich. Der Zaun ist an vielen Stellen beschädigt - anscheinend halten sich einige nicht an den Hausfrieden dort.


Hier ist das "Waldlager" zu sehen. Im Norden liegt Wathlingen und die weit sichtbare Kalihalde. Im Süden liegt Hänigsen. Das Lager besteht aus zwei parallelen Gebäudereihen. Unten im Bild ist auch der Gleisanschluss sichtbar über den die Muna mit der Burgdorfer Kreisbahn verbunden war.

Bei Dauerregen ging es also Richtung Hänigsen. Da ich das Gelände selber nicht betreten konnte, habe ich mich durch den nassen Wald geschlagen und wurde dabei ziemlich von allen Arten blutsaugender Viecher attackiert. Ich werde nun erst einmal kurz auf die Geschichte des Lager eingehen.


Geschichte:
Bereits weit vor dem zweiten Weltkrieg war der Reichsregierung der Nutzen von stillgelegten Bergwerken bekannt. Zum einen konnte dort auf konzentriertem Raum gefertigt werden und zum anderen boten Bergwerke Schutz gegen feindliche Aufklärung und später auch gegen feindliche Bomben.
Noch bevor die deutsche Rüstungsproduktion ganze Fabriken in unterirdische Stollen verlegte, waren deshalb besonders Kalibergwerke dazu genutzt worden, um Munition einzulagern. Im Schacht Riedel bei Hänigsen wurde so ab 1941 Munition auf 650m und 750m Tiefe eingelagert.
Ab 1944 wurden 10 Tonnen des chemischen Kampfstoffes "Excelsior", sowie 50 Tonnen seines Vorproduktes (basierend auf hochgiftigen Organo-Arsen-Verbindungen) eingelagert.
Durch die Gefahr alliierter Luftangriffe wurde die Fertigung von Kartuschen, Zündern und gefechtsfähigen Sprengköpfen nach 1942 ebenfalls gänzlich untertage verlegt.
Im April 1945 besetzten alliierte Truppen die Muna Hänigsen.

Nach dem Krieg wurde mit der Entmilitarisierung des Geländes begonnen. Zuständig dafür war die 76th Depot Control Company, welche auch die Munas Godenau und Volpriehausen geräumt hatte. Wie üblich wurde die konventionelle Munition (Sprengmunition) vor Ort in kleinen Chargen kontrolliert gesprengt. Die chemischen Kampfstoffe wurden abtransportiert und zusammen mit den Beständen anderer Lager in der Nord- und Ostsee versenkt.
Am 18.06.1946 waren 82 Männer in den unterirdischen Kammern und Stollen beschäftigt als es aus ungeklärter Ursache zu einer gewaltigen Explosion kam. Etwa 11.000 Tonnen Munition detonierten Untertage. Loren und Anlagenbestandteile flogen mehrere hundert Meter aus dem Schacht heraus. Der Förderturm kippte um. Keiner der Männer überlebte. 1948 wurden die betroffenen Bereiche, die noch immer munitionsverseucht waren, verschlossen. Bis 1950 wurden weitere Räumungsmaßnahmen durchgeführt, um den Betrieb durch die "Kali und Salz AG" wieder aufnehmen zu können.

Dennoch sind bis heute große Mengen der Kampfstoffe noch nicht geborgen.



Ansichten früher: 
















Ansichten heute: 

Eingangstor des Lagers mit originalem Wächterhäuschen. 


Fertigungsgebäude, links I, schräg


Fertigungsgebäude, links I, frontal


Fertigungsgebäude, links I, seitlich


Fertigungsgebäude, links II, frontal


Das gesamte Gelände ist umzäunt. Löcher im Zaun sind akribisch ausgebessert - es word also gut auf das Objekt aufgepasst...



Zugtrasse in Richtung Hänigsen.



Zugtrasse in Richtung Wathlingen. 


Gebäudeteile im Südosten der Anlage.


Gebäudeteile im Südwesten (gleiche Bauart wie im Nordwesten).


Gebäude im Südosten - frontal.


Gebäude im Südosten.


Hier noch eine Berichterstattung zu dem Unglück auf NDR:


Fortsetzung Bericht:

Also angekommen um die entsprechenden Fotos zu machen (ohne das Gelände zu betreten) war es möglich einiges zu erspähen.
Kaum war ich 10 min da, fuhr auch schon ein unauffälliger VW-Bus auf den Forstwegen um das Lager. Mal hielt er an, wendete - fuhr erneut in meine Richtung...passierte mich zweimal und ich erntete argwöhnische Blicke.
Keine Frage - da hatte jemand aufgepasst. Natürlich hätte ich mich auch sonst an die Regeln gehalten. Aber das alles kam mir schon sehr verdächtig vor.

Erst eine eher "mäßig" begründete Absage Seitens des Inhabers (Lorenz Snackworld GmbH 6 Co. KG) auf meine Anfrage das Gelände zu besuchen...und dann diese Patrouille-Aktion. Etwas sonderbar für ein Keks-Lager ... oder?

Aber jeder soll sich seine eigene Munitionsfabrik kaufen und dort gebäck einlagern - das ist nicht verboten ;)


Fazit:
Trotz Regen, zahllosen Blutsaugern und nur der Außensicht ist die ehemalige Muna sehr interessant. Ich kann nur davon abraten das Gelände zu betreten - da verstehen die Besitzer wohl keinen Spaß. Zu Recht, denn Zäune sollten nicht kaputtgemacht werden und außerdem ist eine ehemalige Munitionsfabrik kein Spielplatz. Es ist nicht zu vermuten, dass im Waldlager noch Munition liegt, aber man sollte nicht leichtsinnig sein.

Was genau in den Schacht Riedel eingelagert wurde wird wohl nie geklärt. Ob neben den Unmengen an Kampfstoffen auch Wertgegenstände und Kunstobjekte eingelagert wurden, ist allerdings nicht belegt. Nachweisbar wurden andere Bergwerke für derartige Zwecke genutzt, aber in Bezug auf die Muna Hänigsen ist keine derartige Einlagerung bekannt. Zudem wurden die meisten Wertgegenstände in den Süden geschafft, als die Alliierten näher rückten.

Insgesamt ist das Waldlager heute ein sehr gut erhaltenes Objekt. Schade, dass die Besitzer nicht einmal auf Anfrage Besuche zulassen.


Beste Grüße,

bleibt wachsam,


S.t.a.l.k.e.r.





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Mail: found-places@live.de
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Reaktionen:

1 Kommentar:

  1. Oh ja...ich würde das Gelände auch einmal sehr gerne betreten (auch mit Aufseher o.ä.) aber laut Aussagen einiger meiner Hänigser Mitbewohner gestaltet sich dies wohl sehr sehr schwierig. Sogenannte "Patrouillen" (man wird schon sehr genau angeguckt wenn man sich dahinten OHNE Hund rumtreibt)sind mir hin- und wieder auch schon aufgefallen da ich dort hinten im Wald gerne mal mit meinem Hund laufe...

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