f Luftmunitionsanstalt am Aschenberg (Höfer) ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Montag, 21. April 2014

Luftmunitionsanstalt am Aschenberg (Höfer)

Bereits an anderer Stelle habe ich schon einmal über die Heeresmunitionsanstalt "Waldlager" bei Hänigsen berichtet. Im Landkreis Celle gab es während des Dritten Reiches einige dieser Anlagen. Wie auch die Muna "Waldlager" bei Hänigsen, befand sich auch die Luftmunitionsanstalt Höfer in unmittelbarer Nähe zu einem Kalisalz-Bergbau. 

Sicherlich kennen noch viele die überirdischen Anlagen des ehemaligen Kali-Bergbaus in Höfer. 

Bild: Anlagen des Kalischachtes "Mariaglück" in Höfer. 
Quelle: Postkarte. 


Bereits im Jahr 1906 wurde die Bergbaugesellschaft "Mariaglück" (zunächst in Gotha) gegründet. Im März 1910 wurde dann eine gleichnamige Bergbaugesellschaft auch in Celle gegründet und nahm noch im selben Jahr den Betrieb auf. Auch in Habighorst (Habighorster Höhe) befand sich ein Kalischacht, der jedoch bereits einige Jahre nach Eröffnung wieder stillgelegt wurde. Im Zweiten Weltkrieg erhielt der Kalischacht Höfer den Decknamen "Löwe". Das Unternehmen Schelter & Giesecke (Leipzig) fertigte dort untertage  Teile für Flugzeugsfahrwerke für die Me-109, Ju-88 und Ju-188. Auch Opel produzierte hier in einem ähnlichen Betätigungsfeld. Im späteren Verlauf des Krieges lagerte auch die nahe gelegene Luftmunitionsanstalt gefertigte Munition in den unterirdischen Stollen ein. Auch wurden, kurz vor Kriegsende, Unterlagen und Akten aus der Stadtbibliothek Hannover, der Provinzialbibliothek Hannover, des Staatsarchivs in Kiel, des Landeskirchenarchivs in Hannover sowie der Firmen Vogelsang aus Hamburg, Continental aus Hannover und Panda eingelagert. 

Allerdings soll es in diesem Beitrag nicht vorrangig um die (interessante) Geschichte des Kalischachtes gehen. 

Fährt man auf der Kreisstraße 73 von Höfer ins nördlich gelegene Scharnhorst, kommt durch die heutige Siedlung "Am Aschenberg". Hier befindet sich heute auch der "Filmtierpark". 

Bild: Siedlung am Aschenberg, nördlich von Höfer. 
Quelle: Google Earth. 


Die Siedlung entstand mit der Gründung der Luftmunitionsanstalt am Aschenberg. Die Gebäude des heutigen Filmtierparks und der Siedlung stammen somit auch aus dieser Zeit und fallen bereits von ihrem auffälligen Baustil ins Auge. Westlich, also hinter dem Filmtierpark und der Siedlung, befinden sich im Wald gelegen die Relikte der ehemaligen Depotbunker der Luftmunitionsanstalt. 

Bild: Depotbunker der ehem. Luftmunitionsanstalt am Aschenberg. 
Quelle: Google Earth. 


Bereits recht früh, nämlich im Jahr 1935 / 1936 wurde mit dem Bau der Luftmunitionsanstalt begonnen. Es entstanden zahlreiche Bunkeranlagen - darunter auch die besagten Depotbunker. Desweiteren wurden Verwaltungs-, Kasernen- und Betriebsgebäude errichtet. Arbeiten mussten in der Einrichtung zu Kriegszeiten vorwiegend Kriegsgefangene. Die Zwangsarbeiter waren in den Unterkunftslagern "Waldlager I" und "Waldlager II", welche bei Habighorst errichtet wurden, untergebracht. Es handelte sich dabei vorwiegend um Menschen aus den Ostgebieten (vor allem der Ukraine), Belgien und Frankreich. Insgesamt bestand die Belegschaft aus rund 600 Arbeitern. Hinzu kam das Wachpersonal und die Besetzungen der Luftverteidigung. 

Die Luftmunitionsanstalt diente neben der Produktion neuer Munition unter anderem auch dazu so genannte "Schlachtfeldmunition" aufzuarbeiten. es handelte sich dabei um solche Geschosse, die aufgrund von Fehlern wieder zurückgeliefert wurde und untersucht werden musste. Wenn die Fehler nicht ausgebessert werden konnten, wurde die Munition auf einem Sprengplatz in der Nähe der Luftmunitionsanstalt vernichtet. 

Für die Untersuchung der zurückgelieferten Munition existierten zwei Sonderbauten auf dem Gelände der Luftmunitionsanstalt. Hier kam es Anfang November 1942 zu einem Explosionsunglück bei dem vier Menschen starben. Darunter auch junge Mädchen, die in der Einrichtung gearbeitet hatten. Es waren bei dem Unglück neue 9 Kg Panzerminen aus ungeklärten Gründen detoniert. Diese gehörten zu einem Kontingent welches für die Truppen in Nordafrika bestimmt gewesen war. 

Ein weiteres Unglück ereignete sich Ende Mai 1943 bei der Verladung von Munition - elf Menschen starben. 

In Höfer wurden unterschiedlichste Kaliber und Munitionstypen hergestellt, bzw. aufgearbeitet. Darunter waren z.B. Infanterie-, MG- und Signalmunition, sowie Landminen, Wurfgranaten und Fliegerbomben. 

Während des Krieges kam es immer wieder zu Luftangriffen auf Munitionszüge, die jedoch die Luftmunitionsanstalt bereits verlassen hatten. Von direkten Angriffen blieb die Anlage bei Höfer verschont. 

Am 13. April 1945 errichte die 227. britische Infanterie-Brigade den Ort Höfer. Die deutschen Truppen hatten die Luftmunitionsanstalt jedoch bereits in den Tagen zuvor gesprengt. Zumal der Kampfkommandant von Celle und Uelzen, Generalmajor Paul Tzschöckell seine Truppen auf eine ostseitige Stellung verlegt hatte, erfolgen solche Sprengungen auch in den anderen Produktionsstätten im Landkreis. 

Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


An einigen der Bunker ist sogar noch der einstige Anstrich erhalten. 

Bild: Spuren der Stützbretter vom Bunkerbau. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Sieht man ganz genau hin, erkennt man teilweise auch noch die Spuren von den Brettern, die früher genutzt wurden, um den aushärtenden Beton zu stützen. 

Bild: gesprengter Bunkereingang. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Was war dies? Bisher ungeklärt...
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


In den Bunkern lässt sich noch heute nachvollziehen, wie diese früher konzipiert und gebaut waren. 

Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Türschloss an einem gesprengten Bunker. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Loch im Waldboden...darunter liegt ein Bunker.  
Quelle: Hendrik Altmann. 


Teilweise geht von den Bunkern nach wie vor Gefahr aus. Nicht nur, weil dort immer noch Munition liegen könnte. Man kann sich dort auch ziemlich schnell die Haxen brechen, wenn man nicht genau auf seine Schritte achtet...


Bild: verschütteter Bunker. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Blick in einen verschütteten Bunker. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Auf dem Gelände befindet sich auch ein Bunker dessen Wände zusammengebrochen sind und einen Hohlraum gebildet haben. Dieser darf aber nicht betreten werden! 


Bild: verschütteter Bunker. Betreten verboten! - Fledermäuse.  
Quelle: Hendrik Altmann. 


Das Schild habe ich allerdings erst wieder gereinigt und sichtbar aufgehängt. Es gibt dort wirklich nichts zu sehen. Von daher sollte man den Tieren unbedingt ihre Ruhe lassen! 


Bild: Mauerreste. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Mauerreste. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Mauerreste. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Überall finden sich noch Stahlreste und Metallteile. Man sollte wirklich aufpassen wo man hintritt...


Bild: Bunkerwand und rostige Metallteile im Innern eines gesprengten Bunkers. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: gesprengter Bunker der ehem. Luftmunitionsanstalt Höfer am Aschenberg. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: ein eingefallener Schützengraben. 
Quelle: Hendrik Altmann. 


Leider haben die britischen Streitkräfte das Gelände der Luftmunitionsanstalt Höfer genutzt, um dort Munition aller Kaliber zu vernichten. Bei den Sprengungen wurden große Mengen der Munition in der Landschaft verteilt. Vieles davon ist bis heute gefährlich. Das Gelände wurde mehrfach geräumt - eine Garantie, dass es sauber ist gibt es aber nicht. 

Es ist daher absolut davon abzuraten nach derartigen Relikten zu suchen, bzw. das Gelände auf eigene Faust zu erkunden. Die Bilder hier zeigen im Grunde alles, was es dort zu sehen gibt. 


Viele Grüße, 

Hendrik












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