f Scheinflugplatz, BGS-Übungsplatz und Waldbrand - Geschichte des Schnittsumpfes seit 1939... ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 9. September 2014

Scheinflugplatz, BGS-Übungsplatz und Waldbrand - Geschichte des Schnittsumpfes seit 1939...




Wilsche. Dieser kleine unscheinbare Ort liegt hinter Müden. Heute ist es fast ein Vorort von Gifhorn. Es gibt in Wilsche keine monumentalen Bauwerke und, verglichen mit seinen Nachbarorten scheint der Ort, auf den ersten Blick einen recht verschlafenen Eindruck zu machen. Noch vor nicht allzu langer Zeit war das ganz anders. Da endete nicht weit hinter Gifhorn die westliche Welt - Zonengrenze zur Deutschen Demokratischen Republik. 

Das hat an sich noch nicht einmal besonders viel mit Wische zu tun. Wäre Gifhorn nicht Standort des Bundesgrenzschutzes (BGS) gewesen. Bei Wilsche befand sich über Jahre ein Übungsplatz für die Einheiten. Die Spuren davon sind noch heute gut im Gelände sichtbar. 

Aber das Gelände, welches sich im sogenannten "Schnittsumpf" nördlich von Wilsche befindet, hat noch ganz andere Tage gesehen. Hier befand sich im Zweiten Weltkrieg ein Flughafen der Deutschen Luftwaffe. Und gleichzeitig befand sich dort doch kein Flugplatz. Es handelte sich nämlich um einen "Scheinflugplatz" - also ein vorgetäuschtes Flugfeld, um den Feind in die Irre zu führen. 

Es ist nicht ganz klar, wann der Scheinflughafen Wilsche gebaut wurde. Sehr wahrscheinlich diente er, um die alliierten Bomber vom weiter nordöstlich gelegenen Flugplatz Westendorf abzulenken. Im Oktober 1944 konnten die Alliierten durch ihre Luftaufklärung einen Scheinflugplatz mit Hallenattrappen und Scheinstartbahnen etwa 3 Kilometer nördlich von Wilsche ausmachen. 

Allerdings wurde das Gelände mit dem fortschreitenden Krieg wohl auch richtig genutzt - im Winter 1944/45 wurden Kampfflugzeuge des Kampfgeschwaders 30 abgestellt. Dies ist letztlich auf die Überbelegung der umliegenden Flugplätze in der Umgebung zurückzuführen. Beispielsweise war der Flugplatz Wesendorf hoffnungslos überbelegt. 

Auf einem Luftbild aus dem Juni 1945, also kurz nach Kriegsende, erkennt man zwei Flugzeughallen und sich kreuzende Start- und Landebahnen. 

Ob das Gelände nach Kriegsende durch alliierte Truppen weiter genutzt wurde ist nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich ist dies allerdings nicht, zumal Wesendorf deutlich größer und besser geeignet sein dürfte und in unmittelbarer Nähe lag. 

Mit dem  beginnenden Kalten Krieg, dem Bau der Mauer und der Errichtung einer massiven innerdeutschen Grenze, musste auch die Bundesrepublik Deutschland Vorkehrungen treffen. Mit der Sicherung der neuen Grenze wurde der Bundesgrenzschutz betraut. 


Bild: Aufbau der innerdeutschen Grenze. Quelle: Lüneburger Heimatkalender 1984. 


Der Bundesgrenzschutz besaß eigene Kasernen und Übungsplätze. Aus praktischen Gründen waren die Einheiten regelmäßig in der Nähe der Grenze zur DDR stationiert. 

Gifhorn war der Standort der Grenzschutzabteilung Nord 3, der Grenzschutzfliegerstaffel Nord sowie der Grenzschutzverwaltungsstelle für diesen Abschnitt. Die Grenzschutzabteilung Nord 3 bestand aus einem Abteilungsstab, drei Einsatzhundertschaften und einer Stabshundertschaft. Standort der Einheit war das Quartier im Wischer Weg 59. Das Ausbildungsgelände der Einheit lag im Ringlah - angrenzend zum schnittdumpf, nördlich von Wilsche auf dem ehemaligen Flugplatzgelände. 

Schöne Bilder aus dieser Zeit sind auf folgenden Seiten verfügbar: 








Bild: Lage des ehemaligen BGS Übungsplatzes bei Wilsche. Quelle: Google Earth.  


Bild: Ausmaße des ehemaligen BGS Übungsplatzes bei Wilsche. Quelle: Google Earth.  



Bild: Karte des ehemaligen BGS Übungsplatzes bei Wilsche. Quelle: Google Earth / War Office 1945.  


Am Sonntag den 1. August des Jahres 1999 kam es zu einem Großbrand, der weite Teile des ehemaligen BGS Geländes zerstörte. Die Feuerwehr Einsatzchronik für diesen heißen Sommertag belegt das ganze Ausmaß der Katastrophe. Es wurden fast gleichzeitig aus 20 bis 30 Kilometer entfernten Ortschaften Brände gemeldet - es handelte sich jedoch immer um denselben Brand, der bei Wilsche eine Fläche von ca. zwei Quadratkilometern erfasst und vernichtet hat. Mehr als 1.200 Einsatzkräfte aus fast allen umliegenden Gemeinden kämpften an diesem Tag gegen die Flammen. Es kamen auch Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes zum Einsatz. 

Von dem Großteil des Geländes bliebt nur eine kahle Fläche zurück. Bis heute sind die Brandspuren erkennbar, auch wenn das Gebiet dicht mit Heide und Gras bewachsen ist. 

Bild: Hinweisschild des ehemaligen BGS Übungsplatzes bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann.  



Bild: Grenzpfeiler des ehemaligen BGS Übungsplatzes bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann.  



Bild: Oberflächenfunde auf dem ehemaligen BGS Übungsplatz bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann.  



Bild: Flaggenmast auf dem ehemaligen BGS Übungsplatz bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann.  


Bild: Stellungen auf dem ehemaligen BGS Übungsplatz bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann.  


Bild: Stellungen auf dem ehemaligen BGS Übungsplatz bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Stellungen auf dem ehemaligen BGS Übungsplatz bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Stellungen auf dem ehemaligen BGS Übungsplatz bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Stellungen auf dem ehemaligen BGS Übungsplatz bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Blick über den ehemaligen BGS Übungsplatz bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann. 

Bild: Blick über den ehemaligen BGS Übungsplatz bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Blick über den ehemaligen BGS Übungsplatz bei Wilsche. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bei meinem Besuch auf dem Gelände habe ich bereits gegen Mitte August die ersten Pilzsammler getroffen. Fast niemand, den ich angesprochen habe, wusste von der historischen Bedeutung und Entwicklung dieses Geländes. Letztlich war der Flugplatz nördlich von Wilsche weder kriegsentscheidend, noch war der Übungsplatz des Bundesgrenzschutzes etwas völlig Außergewöhnliches. Dennoch sind es geschichtliche Zeugnisse vergangener Tage. 

Der Umstand, dass solche Zeitzeugnisse nicht immer auf den ersten Blick sichtbar sind, lässt uns leicht über sie hinwegsehen. Sicherlich gibt es noch viele spannende Orte zu entdecken. In die Geschichte des Schittsumpfes in den vergangenen 100 Jahren konnte jedoch bis hier schon ein wenig Licht gebracht werden. 


Viele Grüße, 
Hendrik


Reaktionen:

Kommentare:

  1. Interessante Geschichte! Ich hatte bislang auch noch nie etwas von diesem Ort gehört. Allerdings finde ich die HDR-Bearbeitung der Fotos hier nicht so passend ...aber: Geschmackssache ;-)

    Gruß, Christian

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  2. Der ehemalige Scheinflughafen wurde viele Jahre (1952-1975) vom LSV Gifhorn als Segelfluggelände genutzt. Als dann dort der BGS-Übungsplatz eingerichtet wurde, zog der Verein auf den heutigen Platz, ca. 500 Meter südlich gelegen, um.
    Gruß F. Witten

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