f Juli 2014 ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 22. Juli 2014

Vergessene Schienen... (Nicht LK Celle)

Passend zur Ferienzeit habe ich bisher immer auch mal vergessene Orte außerhalb des LK Celle gezeigt. Diese Tradition soll sich fortsetzen - schließlich muss man auch mal über den eigenen Tellerrand gucken. 

Die folgende Fotoserie trägt den Namen "V e r g e s s e n e   S c h i e n e n" und ist ein Experiment mit meiner neuen Kamera und dem weiter Feld der HDR-Fotografie. Ich hoffe euch gefallen die Bilder. 




























Der unterirdische Gang zwischen Wienhausen und Celle

Bild: Stufengiebel des Zisterzienserklosters Wienhausen 1962. Quelle: http://www.fotomarburg.de


Die Legende...


besagt, dass zwischen Wienhausen und Celle eine unterirdische Verbindung bestehen soll. Das bezieht sich sicherlich nicht auf kommunalpolitische Belange, sondern ist vielmehr wortwörtlich zu verstehen. Unterschiedliche Geschichtsquellen mutmaßen, dass es einst einen geheimen, unterirdischen Tunnel zwischen dem Kloster in Wienhausen und dem Schloss in Celle gab. Nicht alle Heimatforscher nahmen diese Theorie in ihre Werke auf - und dennoch konnte bisher weder bestätigt, noch widerlegt werden, dass es einen solchen Geheimgang gab. Im Werk "Heimatkunde des Lüneburger Landes" vom Wienhäuser Pastor Bettinghaus (1897) heißt es: 

"Es soll auch ein unterirdischer Gang gebaut sein, welcher das Kloster mit dem Schlosse in Altencelle in Verbindung setzte, damit die Pfalzgräfin (Agnes v. Meißen?) unangefochten in den damaligen unsichern Zeiten die geheiligten Klosterräume erreichen konnte"

In Eberhardt Rohdes "Sagen und Märchen aus dem Celler Land" findet sich folgende Anekdote zu dieser Geschichte: 

"Geheimgänge soll es in vielen Burgen und Schlössern geben, auch die Celler Burg hat früher einen solchen gehabt. Einige wissen sogar noch mehr; der Geheimgang soll von Celle aus bis ins Kloster Wienhausen führen. Als Beweis wird die Geschichte eines Gefangenen erzählt, der sich aus dem Burgverlies entfernen durfte. Der Herzog hatte den Gefangenen dorthin verbannt. Man hatte ihn wegen verschiedener Missetaten verurteilt, er soll sogar bereits das Todesurteil vernommen haben. Seinen eindringlichen Bitten soll er es aber zu verdanken haben, dass der Herzog ihm seinen letzten Wunsch gewährte. Er käme nämlich frei, wenn er einen geheimnisvollen Gang betrete, um von Celle aus nach Wienhausen zu gelangen. (...) 
Gedacht, getan, der Gefangene kletterte in den Keller, findet dort auch den geheimnisumwitterten Eingang und marschiert los. Der Fürst aber hatte sich auch akustisch noch eine kleine Zutat ausgedacht: Der Gefangene sollte mit einer Trommel den Geheimgang entlanggehen, außerdem war eine Glocke auf seinem Rücken angebunden. Oben ging ein Beobachter, der das Trommeln und Läuten gut vernahm, bis der Gefangene in Höhe der Aller war. Da hörte man nur einen Schrei. Ob der Gefangene in die Aller gestürzt ist, ob er gar von einem Stein erschlagen wurde, niemand hat es je erfahren, niemand hat den Gefangenen wiedergesehen noch herausgefunden, wie weit der unterirdische Gang wirklich reicht."  

Die Cellesche Zeitung berichtete am 24. März 2014 über den unterirdischen Gang. 

So viel zu der Geschichte. Nehmen wir von hier an einmal an, es gab einen solchen unterirdischen Tunnel. Wirft man einen Blick auf eine der ersten maßstabsgetreuen Karten, wird einem schnell klar, dass der besagte Geheimgang ziemlich lang gewesen sein muss. 

Bild: Lage der Orte. Quelle: Environs von der Stadt Zelle, 1732. 


Aber noch eine andere Frage stellt sich. Zu welcher Zeit soll sich die Legende zugetragen haben? 

Von der Antwort auf diese Frage würde einiges abhängen. Von welchem Celler Herzog ist hier überhaupt die Rede? Welches Burgverlies ist gemeint? Und welches "Celle" ist überhaupt gemeint? 

Bis 1292 gab es nur ein Celle - nämlich Altencelle. Dieses war zwischen 983 und 993 gegründet worden. In Altencelle errichteten die Brunonen eine Burg. Bereits zuvor - im 10. Jh. existierte eine Schutzburg in Form eines Ringwalles bei Burg. Nach Aussterben der Brunonen fiel Celle schließlich unter welfischen Einfluss unter Heinrich dem Stolzen. Zwischen 1221 und 1229 wurde das Kloster Wienhausen erbaut. Zu dieser Zeit mag die Brunonenburg in Altencelle noch gestanden haben. Später erhielt das Kloster den Zehnthof Groß Ottenhaus, der ebenfalls für weitere Betrachtungen in Frage kommen könnte. 


Bild: Altencelle um 1250. Quelle: Altencelle - das ursprüngliche Celle, Volker Moeller. 


Das Jahr 1292 gilt als Gründungsjahr "Neuencelles" - Herzog Otto der Strenge hatte entsprechende Privilegien erteilt, die zu einer Neugründung der Stadt weiter flussabwärts führten. Unterschiedliche Faktoren spielten für die Verlegung der Stadt eine Rolle (Mehr dazu in: C. Cassel, Geschichte der Stadt Celle). 

Die Frage die sich also stellt: führte der Geheimgang: 

1. Nach Celle (zum Schloss)    -   Option 1
2. Nach Altencelle (zur Burg)   -   Option 2
3. Nach Gr. Ottenhaus             -   Option 3
4. Nach Burg (zum Ringwall)   -   Option 4


Bild: Vier Möglichkeiten wohin der Geheimgang führte. Quelle: Google Earth, Hendrik Altmann. 


Eine Optionen kann wohl direkt ausgeschlossen werden - der Ringwall bei Burg. Der Ringwall stammt aus frühmittelalterlicher Zeit - das Wienhäuser Kloster entstand im  Hochmittelalter. Ebenso unwahrscheinlich ist, dass der Tunnel nach Groß Ottenhaus führte. Zumindest passt dies nicht in die Legende. Bleiben Altencelle und Celle. 

Der Pfarrer Bettinghaus berichtete explizit von Altencelle und erwähnte die Pfalzgräfin. Dabei kann es sich nur um Agnes von Meißen, Gründerin des Wienhäuser Klosters handeln. Damit fiele die Legende in die Zeit in der Altencelle noch herzöglicher Sitz war. 


Bild: Merian-Stich von Wienhausen. Quelle: Wiki-Commons. 


Damit scheint Altencelle als Option 2 realistisch. Aber - ein solcher möglicher Geheimgang hätte unter der Aller hindurchlaufen müssen (Siehe Karte oben). Es scheint offensichtlich, dass der Bau eines derartigen Tunnels enorme Mühe gekostet hätte. Bei einem Grundwasserspiegel von 1m unterhalb der Erdoberfläche hätte man erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, um ein derartiges Projekt zu realisieren. 

Bild: Meander der Aller nördlich von Bockelskamp. Quelle: Map War Office 1945. 


Nördlich von Bockelskamp erkennt man noch heute zahlreiche Flussmeander. Das Gelände dort ist absolut nicht geeignet, um einen Tunnel in geringer Tiefe voranzutreiben. Es passt also überhaupt nicht zusammen, dass der Gefangene eine Trommel schlug, die an der Oberfläche noch zu hören. 

In diesem Zusammenhang ist noch anzumerken, dass das Kloster in Wienhausen fast auf einer Insel liegt. Nördlich davon fließt die Aller und westlich mündet der Mühlenkanal in die Aller. Nimmt man an, dass der Mühlenkanal ein alter Nebenarm der Aller ist, der irgendwann genutzt wurde, um die Wassermühle in Wienhausen zu betreiben, ist die Schlussfolgerung, dass der Mühlenkanal seinen heutigen Verlauf seit ältesten Zeiten in etwa beibehalten haben muss. Alte Karten bestätigen diese Theorie. 

Bild: Mühlenkanal zwischen Bockelskamp und Wienhausen. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme/ Google Earth. 


Ein Tunnel hätte also in unglaublicher Tiefe verlaufen- und vermutlich noch zusätzlich gegen eindringendes Wasser gesichert werden müssen. Es ist schwer anzunehmen, dass ein derartiges Bauvorhaben zu der besagten Zeit durchgeführt wurde...

Bild: Mühlenkanal zwischen Bockelskamp und Wienhausen. Quelle: Google Earth. 


Und dennoch - die Legende, es existiere ein solcher Gang hat sich bis heute hartnäckig gehalten. Aber wann und wo ist die Legende entstanden?  Mit zum ersten Mal findet die Geschichte Eingang bei Bettinghaus im Jahr 1897:  

Bild: Textausschnitt - unterirdischer Gang. Quelle: W. Bettinghaus, Zur Heimatkunde des Lüneburger Landes mit besonderer Berücksichtigung des Klosters und der gemeinde Wienhausen, Bd. 1 Celle 1987. 


Interessant ist, dass sich eine fast identische Textpassage in einer Sammlung heimatkundlicher Geschichten der Schule Nienhagen findet: 

Bild: Textausschnitt - unterirdischer Gang. Quelle: Textsammlung der Schule Nienhagen, zusammengestellt von Pastor Lernling aus Celle, ca. um 1930. 


Die beiden Textpassagen sind nahezu wortgleich - aber es ist zu vermuten, dass die Geschichte zuerst bei Bettinghaus im Jahr 1897 auftauchte. In der zweiten Quelle ist ein Verweis auf "Weichelt" angegeben - dabei handelt es sich um das Werk "Hannoversche Geschichten und Sagen" von Hermann Weichelt, das zwischen 1890 und 1900 in 4 Bänden erschien. Der Ursprung bzw. die Ersterwähnung der Legende lässt sich praktisch nicht genau ermitteln. In der Literatur taucht sie erstmals gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf. Allerdings könnte sie bereits vorher mündlich überliefert worden sein - das lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. 

Die Textsammlung der Schule Nienhagen belegt zumindest, dass die Legende eventuell auch Eingang in den Heimatkundeunterricht fand. Das würde erklären, warum die Geschichte auch heute noch erzählt wird. 

Weniger bekannt ist das Werk "Der unterirdische Gang" von Heinrich Hüner, welches 1939 in Druckform erschien. Es ist hier als Volltext abrufbar: http://www.heinrich-huener.de/unt_gang.htm . Im Buch geht es um exakt die Geschichte des unterirdischen Ganges bei Wienhausen - allerdings mit einiger literarischer Ausgestaltung. Die Geschichte spielt zur Zeit Herzog Georgs von Braunschweig-Lüneburg (1582 - 1641). Hauptfigur ist Jörg Ramdöhr, der im Verlies in Celle einsitzt und durch den unterirdischen Gang nach Wienhausen seine Freiheit erlangen kann, bevor er sonst am Folgetag erschossen werden soll. Es wird beschrieben wie Ramdöhr versucht durch den gang zu entkommen und dabei nicht nach Wienhausen gelangt, sondern schließlich im Kloster am Liebfrauenberg in Celle landet. 

Auch diese Geschichte besitzt zumindest einen kleinen wahren Kern - am Liebfrauenberg stand einst ein Franziskanerkloster. Ob sich aber die Legende um den unterirdischen Gang auf dieses Kloster bezieht, ist fraglich. 


Bild: Kloster Wienhausen. Quelle: Hendrik Altmann 2014. 




Was heute bleibt...


... ist die Erkenntnis, dass der unterirdische Gang, den es einst zwischen Celle und Wienhausen gegeben haben soll, bislang unentdeckt geblieben ist. War es ein Fluchttunnel oder wurden vielleicht sogar kostbare Gegenstände in Sicherheit gebracht? Möglicherweise steckt mehr hinter dieser Geschichte, als man heute noch anhand von Quellen nachprüfen kann. Es ist nicht auszuschließen, dass es auch im ein oder anderen Celler Gemäuer einen Fluchttunnel gegeben hat. Ob ein solcher Tunnel aber tatsächlich über mehrere Kilometer zur damaligen Zeit erbaut wurde, ist nicht sicher. 

Sicher ist, dass sich die Legende um dien unterirdischen Gang bis heute im Volksmund gehalten hat - vermutlich nicht zuletzt, weil es genau solche Geschichten sind, die uns immer noch begeistern. 


Viele Grüße, 

Hendrik







Freitag, 18. Juli 2014

Wurde der Altenceller Hafen gefunden?

Bild: Schifffahrt auf der Aller um 1830. Quelle: "Celle von der Mühlenmasch" in C. Cassel: Geschichte der Stadt Celle. 


Kürzlich berichtete die CZ, Archäologen hätten Hinweise auf den Hafen in Altencelle entdeckt. Ein Bild zeigt drei kleine Holzstege, welche in einen angedeuteten Arm der Aller ragen. Am mittleren der Holzstege liegt ein Segelboot vor Anker. Wurde das Geheimnis um den Altenceller Hafen gelöst?

In den Monaten März und April hatte die Archäologin Cornelia Lohwasser gemeinsam mit ihrem Team in Altencelle gegraben. Grabungsmitarbeiter waren Studierende der Universität Göttingen und freiwillige Helfer, größtenteils Mitglieder der Fördergemeinschaft Historisches Altencelle. Zum einen wurde der Bauplatz des neuen Gemeindehauses an der Ecke Oelmannsweg untersucht (Grabungen im März / April). Weiterhin wurden Suchschnitte in der, am Altarm der Aller gelegenen Fläche "Pottgarten" angelegt. Auf dieser Fläche war,  neben Messungen mit dem Magnetometer durch die Archäologin, ebenfalls eine Prospektion mit Sondengängern der Sondengänger-Gemeinschaft Allertal erfolgt. 

Bei der anschließenden Grabung kamen handfeste Indizien zu Tage, dass es sich beim Pottgarten tatsächlich um den Standort des früheren Altenceller Hafens handeln könnte. Unter anderem wurden Pfostenlöcher gefunden, die zu einem ehemaligen Steg gehört haben könnten. Insgesamt ließe sich, aufgrund von Bodenuntersuchungen annehmen, dass der heutige Pottgarten und die dahinter ansteigende Böschung zum heutigen Friedhof, Bestandteil einer ehemaligen Kai-Anlage sein könnten. 

Dass es sich bei mittlerweile dem stark verlandeten Tümpel hinter dem Pottgarten um einstigen Altarm der Aller handelt belegt ebenfalls das preußische Messstichblatt aus dem Jahr 1900 (hier als Layer mit dem aktuellen Satellitenbild): 

Bild: Vergleich 1900 und Heute. Quelle: Google Earth, Preuß. Messstichblatt 1900.  


Auf der alten Karte erkennt man deutlich, dass der Altarm um 1900 noch stärker sichtbar gewesen ist. Ob es jedoch im Bereich des Pottgartens tatsächlich einen Hafen gab und welche Ausmaße dieser besessen haben könnte ist unklar. Weiterhin scheint es ebenso nicht unwahrscheinlich, dass es gar keinen großen Hafen gegeben hat - auch wenn das ursprüngliche Celle am Fluss gelegen hat. Unter Herzog Magnus (1324 - 1373) mussten bereits Ausbaumaßnahmen im oberen Allerverlauf ergriffen werden, da die Oker in ihrem ursprünglichen Bett zu verlanden drohte. Vor allem der Warenverkehr zwischen Bremen und Braunschweig wird immer wieder als Argument für eine florierende Flussschifffahrt auf der Aller herangezogen. Sicher hat es auf der Aller, wie auch auf etlichen anderen Flüssen, Binnenschifffahrt gegeben. Aber ob diese in einem derart großen Ausmaß vorlag? 

Abschließend sollte vielleicht noch darauf hingewiesen werden, dass die Stadt "Tsellis" nicht  als "versunken" bezeichnet werden kann. Bereits lange bevor Herzog Otto der Strenge (1282 -1330) im Jahr 1292 "Neucelle" urkundlich zur Stadt erhob, ist dort gesiedelt worden. Letztlich wurde Altencelle zum einen wohl aufgegeben, da es einen verheerenden Brand gab. Die Verlegung des herrschaftlichen Sitzes war jedoch nur die Konsequenz daraus, dass sich "Neucelle" in wirtschaftsstrategisch günstigerer Lage befand. Im Bereich des heutigen Neumarktes lag eine Furt, welche es dem aufkommenden Fernhandel ermöglichte die Aller gefahrlos zu überqueren. Altencelle lag in dieser Hinsicht einfach weniger günstig und geriet so nach und nach in den Schatten der neu gegründeten Stadt weiter flussabwärts - dem heutigen Celle. 


Viele Grüße, 
Hendrik










Mittwoch, 16. Juli 2014

Der Silberschatz bei Garßen

Bild: Oster- und Silberberg bei Garßen. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme 1780.  


Ein Schatz soll vergraben sein...


...und das gar nicht mal so weit entfernt von Celle. Silber- und Goldstücke sollen es sein, die   in einer Kinderwiege aus puren Gold versteckt liegen. Eine Legende rankt sich um den verborgenen Schatz der, unweit von Garßen, am Silberberg liegen soll. 

Einst soll dieser Silberberg von Zwergen bevölkert gewesen sein. In mondhellen Nächten sahen Wanderer sie dort nicht selten. Einmal sahen die Leute, wie die Zwerge bei hellem Mondschein das Gold und Silber blank polierten. In Garßen munkelte man im Wirtshaus oft von dem Schatz. Eines Tages fassten sich drei Brüder aus dem Ort ein Herz und machten sich nachts auf, um den Schatz zu heben. Auf dem Silberherb angekommen verhielten sie sich ruhig - und tatsächlich öffnete sich eine Felsspalte und die Zwerge kamen mit der goldenen Wiege hervor. Voll beladen mit Silber und Gold. Als einer der Brüder aus dem Versteck hervorsprang, erschraken sich die Zwerge und nahmen Reißaus. Überglücklich wegen der reichen Beute versuchten die Brüder die Wiege heim zu tragen. Sie war jedoch so schwer, dass es ohne ein Pferdegespann nicht möglich war sie zu bewegen. Daher schickten die beiden Älteren den jüngeren Brüder nach Hause - es solle ein Gespann holen.  Derweil wollten sie den Schatz bewachen. Gesagt, getan - als der jüngere Bruder zurückkehrte luden sie die Wiege auf das Gespann und wollten heimkehren. Die Fahrt wurde immer schneller - so schnell, dass die Älteren den jungen Bruder dazu anhielten er möge doch langsamer fahren. In einer Kurve geschah dann das Malheuer - das Gespann neigte sich, kippte um und die Insassen landeten auf dem Boden. Als die beiden älteren wieder zu sich kamen hörten sie Pferdegetrappel. Vor ihnen stand der jüngere Bruder mit dem Gespann, welches er von daheim geholt hatte. Da erkannten die beiden Älteren, dass es nicht ihr Bruder gewesen war, mit dem sie zuvor die Heimreise angetreten hatten. Wer oder was den Wagen gelenkt hatte wurde nicht herausgefunden. In mondhellen Nächten soll man noch das Wehklagen der Zwerge hören, wenn sie um ihren verlorenen Schatz trauern. 



Und heute...?


Möglicherweise ist der ein- oder andere jetzt versucht seine Schaufel und Spitzhacke zu schnappen und sich zum Silberberg aufzumachen. Zunächst sollten wir einmal einen Blick auf die Karte werfen. In der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1780 ist tatsächlich ein Silberberg bei Garßen eingezeichnet. Er liegt in unmittelbarer Nähe zum Osterberg, östlich von Garßen und nördlich der Landstraße. Mithilfe eines Kartenlayers in Google Earth kann man sich die Lage des Berges gut veranschaulichen...

Bild: Oster- und Silberberg bei Garßen. Quelle: Kurhannoversche Landesaufnahme 1780 / Google Earth.  


Bereits anhand dieser Karte erkennt man ein Problem, falls man tatsächlich auf die Suche nach dem Schatz gehen möchte: den Silberger gibt es heute so leider gar nicht mehr. Dort wo in der Kurhannoverschen Landesaufnahme noch weite Felder verzeichnet sind, erstreckt sich heute der Golfplatz bei Garßen. Überträgt man die Erkenntnisse aus der alten Karte auf das aktuelle Satellitenbild sieht es etwa so aus: 

Bild: Oster- und Silberberg bei Garßen. Quelle: Google Earth.  


Der Silberberg musste demnach dem nördlichen Teil des Golfplatzes weichen. Bereits in einer Karte aus dem Jahr 1945 ist nur noch der Osterberg - nicht aber der Silberberg verzeichnet: 

Bild: Oster- und Silberberg bei Garßen. Quelle: Map War Office 1945 / Google Earth.  


Damit kann der Schatz - sollte er je existiert haben wohl als verloren betrachtet werden. Ich würde zumindest jedem davon abraten sich mit Schaufel und Hacke dem Rasen des Golfplatzes zu nähern, in der Erwartung dort eine mit Silber beladene Kinderwiege aus purem Gold auszugraben. Eine derartige Grabungsaktion unter Erwähnung der genannten Motive könnte sicherlich zu gewissen Irritationen seitens des Golfplatzbetreibers führen ;-) 



Was heute bleibt...


Sicherlich handelt es sich bei der Legende um den Schatz bei Garßen um eine schöne Anekdote. Der Name "Silberberg" lässt sich allerdings nur schwer deuten. Laut Barenscheers Flurnamenbuch hieß der Berg bis 1779 "Silwerbarg" und aus dem Lüneburger Heimatbuch geht ebenfalls hervor, dass der Berg nach der Legende um verstecktes Silber benannt wurde. Somit kann ein wahrer Kern dieser Geschichte nicht ausgeschlossen werden - auch wenn es möglicherweise keine Zwerge waren, die dort einst Reichtümer versteckten. Es wäre ebenso denkbar, dass ein reisender Kaufmann dort etwas versteckte, was später von Leuten aus der Region entdeckt wurde. Das war nicht unüblich und die wichtige Handelsstraße (Hamburger Weg) führte in der Nähe vorbei. Wäre das was dort vielleicht versteckt worden ist, nicht bereits gefunden worden - woher sollte man dann wissen, dass dort etwas versteckt war und dass es Silber gewesen ist? - Somit spricht einiges dafür, dass der Silberberg nach einem Fund benannt worden ist. 

Vor einiger Zeit - im Jahr 2001 - hat eine Gruppe von Schulkindern in Zusammenarbeit mit dem Land Art Künstler Piet Trantel den Zwergen den Schatz "zurückgegeben". Im Rahmen des Projektes entstand ein neuer "magischer Ort" in Form einer im Boden eingelassenen Tafel: 


Bild: Magischer Ort am Osterberg. Quelle: RegionCelleNavigator.  




Bild: "Rückgabe des Zwergenschatzes". Quelle: http://org.eschede.de/magischeorte/goldenewiege



Alles in Allem ist die Legende des Zwergenschatzes bei Garßen immerhin eine Geschichte mit Happyend. Nachdem die Zwerge ihren Schatz im Jahr 2001 zurückerhalten haben, wurde keinerlei Wehklagen mehr von ihnen vernommen. 


Viele Grüße, 

Hendrik







Montag, 14. Juli 2014

Schellenhorst - der vergessene Hof zwischen Bröckel und Uetze

> Dieser Beitrag wurde überarbeitet < 



Obwohl ich bereits viele spannende Geschichten gehört und einige davon auch aufgeschrieben habe, hat mich die nachfolgende Begebenheit unglaublich begeistert. Ob es Zufall war, auf ausgerechnet diese Geschichte zu stoßen, kann ich nicht sagen und vielleicht wird auch nicht jeder meine Begeisterung teilen. In diesem Beitrag werde ich versuchen die Geschichte des vergessenen Hofes "Schellenhorst", zwischen Uetze und Bröckel, lebendig werden zu lassen. Es ist eine Geschichte, die es verdient hat! 

Beginnen wir aber von Vorne. Kürzlich hatte ich bereits über die ehemalige Oberallertalbahn berichtet. Dementsprechend wollte ich gerne über eine andere verschwundene Bahntrasse berichten - die, welche zwischen Braunschweig und Celle verlief (Mehr dazu: Hier). In einem ersten Schritt versuchte ich mich mit dem Gelände vor Ort vertraut zu machen und startete eine kleine "Exkursion" in Google Earth. An einer Stelle stieß ich dabei auf etwas Ungewöhnliches...

Bild: ungewöhnliche Bodenstruktur an der ehem. Bahnstrecke. Quelle: Google Earth. 


Dort wo die Bahnstrecke den Fluss Erse einst überquerte waren auf dem Satellitenbild eindeutig Objekte zu erkennen, die absichtlich dort abgestellt worden sein mussten - ich hielt es für verschrottete Autos. Mein Interesse war sofort geweckt. 

Schnell wurde mir klar, dass auch die umliegenden Bäume auffällig in Reihe standen - ein Zeichen dafür, dass es sich hier nicht einfach nur um einen alten Schrottplatz handelte, sondern, dass es sich auch um einen ehemaligen Siedlungsplatz handeln könnte. Es half nichts - ich musste mir diese Sache vor Ort ansehen, um weitere Schlussfolgerungen ableiten zu können. Ich fuhr daher an den besagten Ort. Angekommen kämpfte ich mich zunächst durch meterhohes Gras, Brombeersträucher und Brennnesseln. Zu rechter Hand plätscherte die Erse und zur Linken erstreckten sich ausgedehnte Roggenfelder. Von einem Haus, einem Schrottplatz oder den eingangs beschriebenen Objekten war nichts zu sehen.  Als ich bereits  kurz davor war aufzugeben und den Rückweg zu meinem Auto anzutreten, erblickte ich plötzlich etwas Seltsames. Inmitten dieser grünen Hölle standen zahlreiche alte Maschinen. Vor mir lagerte eine alte Werkbank, verrostet, leer und verlassen. Wie Wanderdünen hatten sich die Brombeeren über den Maschinenpark geschoben - nur an einigen Stellen schauten alte, rostige Teile hervor. 

Nun war spätestens klar, dass hier jemand reichlich Schrott angesammelt hatte. Es gab keine Spuren von einem Haus oder einem Hof - von der Bahnlinie war auch nicht mehr viel zu sehen. Für den Moment bewertete ich die Situation als eher unspektakulär und trat den Rückweg an. Vorbei an zahlreichen Apfelbäumen, die auffällig ordentlich in Reihe gepflanzt worden waren, erreichte ich schließlich mein Auto an der Ersebrücke der Landstraße 387. 

Diese Apfelbäume beschäftigten mich aber weiterhin. Weswegen sollte jemand die Bäume derart mitten ins Nirgendwo pflanzen? Uetze war ja noch eine ganze Ecke entfernt. Wer pflückte irgendwo im Nirgendwo Äpfel? Und warum eine Allee aus Apfelbäumen zu einem Schrottplatz? 

Fakt - hier musste doch noch mehr dahinterstehen. Daher forschte ich in alten Karten nach - und tatsächlich - was ich fand, versetze mich wirklich in Erstaunen. 

Bild: Schellenhorst. Quelle: preußisches Messtischblatt v. 1898


Eben an der Stelle zwischen Landstraße und Erse war im preußischen Messtischblatt von 1898 tatsächlich ein Hof eingezeichnet. Die Hofstelle, bestehen aus vier Gebäuden war mit "Schellenhorst" benannt. 

Bild: Schellenhorst. Quelle: brit. Militärkarte 1945.  


Auch in der britischen Militärkarte des War Office von 1945 war der Hof "Schellenhorst" eingezeichnet. Allerdings war zu dieser Zeit bereits die Bahnlinie Celle - Braunschweig gebaut und ebenfalls in der Karte verzeichnet. Mit dem Bau der Bahn war im Jahr 1913 begonnen worden. Fertig gestellt wurde die Strecke am 1. September 1920. Der Hof musste demnach bereits vor dem Bau der Bahnlinie bestanden haben. 

Bild: Schellenhorst. Quelle: Kartenlayer 1945 / Google Earth.  


Um sicher zu gehen erstellte ich noch ein Kartenlayer in Google Earth. Darauf ist eindeutig erkennbar, dass der Hof "Schellenhorst" zwei Zuwegungen besaß. Eine in Richtung der Landstraße und eine in Richtung Uetze verlaufend. Der Hof lag unmittelbar unterhalb der Ersebrücke der ehemaligen Bahnlinie, direkt an der Erse und etwas abseits der Landstraße.  Aus diesem Grund mag der Hof wohl auch derart in Vergessenheit geraten sein, denn der Personenverkehr auf der Bahnstrecke wurde bereits 1971 eingestellt. Wenig später folgte die Einstellung des Güterverkehrs. Durch die Entfernung zur Landstraße blieb der Hof vor den Blicken Vorbeifahrender bewahrt. 

Bild: Schellenhorst nördlich von Uetze. Quelle: Google Earth.  


Bild: Schellenhorst nördlich von Uetze. Quelle: Flash Earth.  


Schön und gut - nun war also klar, dass es einmal einen Hof "Schellenhorst" gegeben hatte, den es heute nicht mehr gibt. Damit waren jedoch eigentlich weniger Fragen beantwortet, als neue entstanden sind. Wer wohnte einst so abgelegen? Zu welcher Zeit wurde dieser Einsiedlerhof erbaut? Wo waren die kartenmäßig belegbaren Gebäude geblieben? Wann wurde der Hof abgerissen? 

Normalerweise liefert das Internet Antworten auf alles mögliche. In diesem Fall war jede Suche aber schon von Anbeginn zum Scheitern verurteilt. Es ist wohl klar, dass es schwierig ist Informationen zu etwas zu finden, was es nicht mehr gibt. Ich beschloss daher auf klassische Recherchemethoden umzusteigen und das zu tun, was man eben tat, als es noch keine Onlinesuchen gab - Mitmenschen fragen. 

Als erste Anlaufstelle wählte ich den Heimatbund Uetze e.V. - schließlich nahm ich an, dass man dort sicher bescheid wüsste. Ich rechnete fast damit, nicht der erste zu sein, der die Frage nach dem verschwundenen Hof Schellenhorst stellte. Wieder wurde ich überrascht - offenbar wusste man auf Anhieb nichts von Schellenhorst. Aber trotzdem half man gerne - ich erhielt den Kontakt zu Herrn Günther Rohde, der sich laut Auskunft "bestens mit der Geschichte in der Gemarkung Uetze auskennt." 

Bereits Herr Rohde konnte meine Vermutung bestätigen. Schellenhorst ist ein wüst gefallener Einsiedlerhof. Der Hof hätte aufgrund von Erbfällen mehrfach den Eigentümer gewechselt und sei zuletzt abgerissen worden. Schließlich verwies mich Herr Rohde an Annelore Pott - die Schwester des letzten Hofeigentümers. Nach einem ausgiebigen Telefonat mit Frau Pott ließ sich die Geschichte von Schellenhorst gut rekonstruieren. 



Die Geschichte hinter der Geschichte...


Schellenhorst müsste so ungefähr um 1900 erbaut worden sein. Ob es vor dem Bau der Bahnlinie war, wusste Frau Pott nicht - kartenmäßig ist belegbar, dass der Hof auf jeden Fall  vor dem Bau der Bahnstrecke ab 1913 existierte. Es ist somit anzunehmen, dass Schellenhorst ca. um 1850 entstand. 

Der Name "Schellenhorst" sei auf "Schellen" und "Horst" zurückzuführen, so Annelore Pott. Ihr Vater hatte ihr erzählt auf jenem Einsiedlerhof habe es die ersten Schellen an den Pferdetrensen gegeben. Diese dienten, damit die Pferde nicht scheuten. Nach einem Gespannführer mit dem Namen "Horst" sei schließlich der Name Schellenhorst entstanden. Es wäre ebenso denkbar, dass der Name Horst die Gemarkung beschreiben sollte. Zumal Horst ja eine gängige Flur- und Ortsbezeichnung ist (Plockhorst, Flackenhorst etc.). Rund um den Hof Schellenhorst liegen 46 Morgen bewirtschafteter Fläche. Das entspricht nach Umrechnung des Hannoverschen Morgens etwa 120.566 Quadratmetern.

Pferde spielten jedenfalls auf dem Hof Schellenhorst immer eine große Rolle. Der Hof bestand einst neben dem Wohnhaus einen Kuhstall und einen Pferdestall sowie eine große Scheune. Annelore Pott erinnert sich es sei ein wunderschöner Hof gewesen mit einem idyllischen Wohnhaus. Es habe keinen Strom gegeben - Licht wurde mit Petroleumlampen gemacht und die Arbeit von Hand verrichtet. Schellenhorst hatte zwei Zuwegungen - eine zur Landstraße und eine in Richtung Bahn / Uetze. Das bestätigt ebenfalls die Karte aus dem Jahr 1945. 

Obwohl die Landstraße einst verkehrstechnisch noch relevanter war, als heute - die Umgehungsstraße gab es noch nicht - lag der Hof schon früher ziemlich abseits. So kam es wohl nicht selten vor, dass Bettler und Hausierer den Weg zum Einsiedlerhof fanden. Wenn die Männer auf dem Feld waren, wurden daher alle Türen in Richtung Landstraße versperrt. 

Vor allem waren es Hannoveraner (Pferderasse), die auf Schellenhorst zum Einsatz kamen, erinnert sich Annelore Pott. Schon früher wurden die Pferde vielseitig eingesetzt - nicht nur in der Landwirtschaft. Der Urgroßvater (oder Großvater) von Annelore Pott war bei einem Husarenregiment. Durch seine enge Verbindung zur Reiterei und den ansehnlichen Pferden auf dem Hof Schellenhorst durfte er den König von Hannover kutschieren. Es ist zwar nicht weiter bekannt zu welcher Zeit, bzw. welcher Monarch zu jener Zeit über das Königreich Hannover herrschte, aber zumindest kann so die Gründung vom Hof Schellenhorst weiter eingegrenzt werden. Zumal das Königreich Hannover erst im Jahr 1814 (Wiener Kongress) hervorgegangen war, spricht einiges dafür, dass der Hof Schellenhorst zwischen 1800 und 1850 gegründet worden sein könnte. 

Macht und politischer Einfluss haben anscheinend noch zu anderer Stelle eine Rolle in Bezug auf den Hof gespielt. Während ein Zweig der Familie in Uetze zum welfischen Adel hielt, war der Zweig auf dem Hof Schellenhorst eher dem preußischen Herrscher zugetan. 1866 kam es zur Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen. Der Familienstreit entwickelte sich weiter und endete schließlich darin, dass sich die Familie nachhaltig entzweite.  

Da die Straße früher noch stark frequentiert war, wollte Annelore Pott den Hof in ein idyllisch gelegenes Gasthaus umgestalten. Zumal die nahegelegene Gaststätte "Wilhelmshöhe" damals noch nicht in ihrer heutigen Form existierte, sollte Schellenhorst zu einem Gasthaus mit bester Anbindung und in schönster Lage werden. Der Plan leuchtet ein - an der Erse, nahe der Bahnstrecke und gut erreichbar von der nahen Landstraße und dennoch ruhig gelegen. Die Natur durchkreuzte den Plan - das Haus war baufällig. 

Schließlich mussten die Gebäude abgerissen werden, was Annelore Pott noch heute sehr bedauert. Die Flächen rund um den ehemaligen Hof wurden verpachtet. Nur die alten Maschinen sind als stumme Zeitzeugen erhalten geblieben. 



Was bleibt...

Fast nichts erinnert mehr an die vergangenen Tage auf dem Hof Schellenhorst. Die Gebäude sind aus der Landschaft entschwunden, die Wege von hohem Gras überwachsen und die Äpfel fallen zu Boden ohne dass es jemanden stört. Die angrenzende Bahnlinie ist neu begrünt worden, die Brücke über die Erse wurde abmontiert - nur selten kommen Paddler vorbei, aber auch sie bemerken vom einstigen Hof Schellenhorst so gut wie nichts. 

Die Natur erobert das Gelände Stück für Stück zurück und nur mit einem geschärften Blick fallen einem die Spuren aus der Ferne noch auf. 

Neben den Stichen zahlloser Bremsen und Mücken, Brennnesseln und Dornen spürt man die Geschichte. Und doch kann man sie sich nicht selber erschließen. Nicht nur der Hof Schellenhorst ist verschwunden - auch die Menschen, die seine Geschichte kennen und erzählen könnten fehlen. Annelore Pott ist die Letzte, die aus früheren Tagen des Hofes berichten kann. 

Bild: Letzter kartografischer Hinweis auf Schellenhorst. Quelle: Region Celle Navigator, LGLN. 



Bild: Letzter kartografischer Hinweis auf Schellenhorst. Quelle: Region Celle Navigator, LGLN. 


Irgendwann werden sich die Leute vielleicht fragen, warum die Feldflur in neueren Karten dort den Namen Schellenhorst trägt. Vielleicht wird sich über einige Generationen die Geschichte überliefern lassen, dass es dort einen alten Hof gegeben hat. Das Meiste Wissen über Schellenhorst wird jedoch verloren sein, zumal niemand danach fragt. Wie sollte man auch nach etwas fragen, was es nicht mehr gibt? 

Es sind genau diese Geschichten, die uns lehren sollten immer neugierig zu bleiben. Immer wieder nachzufragen und uns alles von älteren Mitmenschen erzählen zu lassen was nur möglich ist. Früher waren es die Dorfschullehrer oder Pfarrer, die sich mit der Heimatgeschichte beschäftigt haben. Heute haben Heimatvereine vielerorts diese Aufgabe übernommen. Leider erreichen die Informationen oft nicht mehr die jüngeren Generationen. Es bleibt eine Lücke - fast keiner kennt mehr seine eigene Umgebung - dabei sollten wir doch wohl am besten wissen, was vor unserer eigenen Haustür passierte! 


Viele Grüße, 

Hendrik