f August 2014 ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Sonntag, 31. August 2014

Ahnsbeck



Ahnsbeck steht im Ortsverzeichnis des Landkreises Celle auf Found Places. 

Ahnsbeck gehört ins Kirchspiel Beedenbostel. Bereits um 1197 wird der Ort mutmaßlich als "in parrochia Beinborstelde in villa Alrebekesa" in einer Urkunde des Klosters Walsrode erwähnt (Diözesen und Gau-Grenzen Norddeutschlands, H. Böttger). In der Urkunde geht es um den Verkauf von 6 Schillingen der Kirche Willehadi zu Bremen an das Kloster Walsrode. Ob dieses Alrebekesa wirklich das heutige Ahnsbeck ist bleibt fraglich. Der Name deutet laut dem Namensforscher Prof. Dr. Udolph auf eine mit Erlen bewachsene Aue hin. 

Der erste gesicherte urkundliche Nachweis Ahnsbecks datiert in das Jahr 1240, als Ahnsbeck als Lehen des Bistums Verden an Heinrich von Harlingeberg gelangte. 

1278 wurde der Zehnte (das erwähnte Lehen) an das Kloster Wienhausen verkauft, welches den Fleischzehnten bis in das Jahr 1663 besaß. Aus den Lehensregistern 1330 bzw. 1360 geht hervor, dass Ahnsbeck in dieser Zeit aus dem Meierhof, 4 Vollhöfen und 7 Kötnerhöfen bestand. 

1391 ging Ahnsbeck in den Besitz des Cord von Mahrenholtz über. Darauf an den Celler Bürgermeister Tile Brand und im Jahr 1435 an seinen Sohn. Bis 1538 wurde der Meierhof von der Familie Kohlmann als Freihof des Herzoges bewirtschaftet. Dann tauschte die Familie Kohlmann ihn gegen die Mühle in Lachendorf ein. Ahnsbeck taucht mit erheblichem Viehbestand im Viehschatzregister der Amtsvogtei Beedenbostel des Jahres 1589 auf. 1663 war der Meierhof Ahnsbecks in Besitz der von Mahrenholtz. 

Bild: Lage des Dorfes Ahnsbeck um 1600. Quelle: Mellinger. 


Noch in der Kurhannoverschen Landesaufnahme ist erkennbar, dass Ahnsbeck einst ein sogenanntes Haufendorf war: die Vollhöfe reihten sich in Hufeisenform um den Dorf- und Kirchplatz. Bereits in der Beschreibung der Städte, Ämter und Länder von 1858 wird für Ahnsbeck ein Schulgebäude erwähnt. 

Bild: Lage des Dorfes Ahnsbeck um 1781 - Vergleich zu heute. Quelle: Kurhann. LA 1781 / Google Earth. 


Ein schwere Kapitel war die Zeit der Hexenprozesse. So wurde Ilsche Lüders am 15. Juni des Jahres 1570 mittels der peinlichen Folter der Hexerei überführt. Sie gestand in Folge des Prozesses sie sei von ihrer Base, der Witwe Alheid Eggers um 1556 in einem Hirtenhaus in Ahnsbeck von der Hexerei unterrichtet worden. Ilsche Lüders verstarb im Gefängnis bevor das Urteil gegen sie ausgeführt werden konnte. Man ließ es sich jedoch nicht nehmen ihre Leiche am 20. Juni 1570 vor das hochpeinliche Halsgericht zu stellen. Nachdem die Leiche gehängt worden war, wurde sie verbrannt. Der "irdischen Gerechtigkeit" glaubte man, sei damit Genüge getan. Einen Monat später wurden vier weitere Frauen verbrannt, die Ilsche Lüders der Hexerei beschuldigt hatte. Am 7. Juni 1572 und am 9. Oktober desselben Jahres wurden weitere Frauen aus Ahnsbeck wegen Hexerei oder Zauberei hingerichtet. 

In seiner Entwicklung war Ahnsbeck traditionell ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Nordwestlich des Dorfes finden sich noch Reste der Immenstelle der Familie Striepen. 

Ahnsbeck besaß bereits um 1534 eine Kirche - eine solche ist urkundlich im Lüneburgischen Pfündenregister belegt. Eine Kapelle muss bereits früher bestanden haben, zumal die Glocke in das Jahr 1439 datiert und eine Wetterfahne in das Jahr 1441. 

Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und des Siebenjährigen Krieges sind keine besonderen Vorkommnisse im Sinne von Kampfhandlungen für Ahnsbeck bekannt. Sicherlich wird der Ort aber unter beiden Kriegen, wie auch zu Zeiten der französischen Fremdherrschaft unter enormen Abgaben gelitten haben. 

Mitte des 19. Jahrhunderts fand ebenfalls in Ahnsbeck (1854 bis 1868) die Verkopplung statt. Über die Generalteilung, Spezialteilung und Verkoppelung ist mehr nachlesbar in der übersetzten Version des Rezesses von H.G. Michels

Bild: Lage des Dorfes Ahnsbeck um 1945 - Vergleich zu heute. Quelle: War Office / Google Earth. 


Am 14. April 1945 wurde Ahnsbeck vom 771. U.S. Tank Bataillon erreicht. Im After Action Report der Einheit lassen sich die Ereignisse - zumindest aus Sicht der U.S.-Truppen nachvollziehen. 

Besonders im 19. und 20. Jahrhundert vergrößerte sich der Ort vor allem in westliche, sowie nördliche und südliche Richtung. Im Vergleich zum 18. Jahrhundert steigerte sich die besiedelte Fläche um mehr als das Doppelte. 

Bild: Lage des Dorfes Ahnsbeck um 1971 - Vergleich zu heute. Quelle: Straßenkarte 1971 / Google Earth. 


Weitere Informationen zum Ort finden sich u.a. auf der Wikipedia-Seite Ahnsbecks. Wer sich weiterhin für die Entwicklung und Geschichte des Ortes interessiert, ist mit der Ahnsbecker Chronik gut beraten: 

Quelle: Matthias Blatzek



Einige heutige Dorfansichten: 


Bild: Ortsmitte Ahnsbecks. Quelle: Hendrik Altmann 2014. 


Bild: Blick auf Ahnsbeck von Bunkenburg kommend. Quelle: Hendrik Altmann 2014. 


Bild: Ortsmitte Ahnsbecks - Feuerwehr. Quelle: Hendrik Altmann 2014. 


Bild: Ortsmitte Ahnsbecks - alte Feuerwehr. Quelle: Hendrik Altmann 2014. 



Dieser Beitrag wird, wie andere Einträge im Ortsverzeichnis ebenfalls, laufend ergänzt und erweitert.  


Hendrik Altmann 


Fund Petschaft


Sondengehen ist eine Mischung aus Zielstrebigkeit, Ausdauer, Frustration und Glück. Heute waren diese Komponenten teilweise sogar in überdurchschnittlichem Umfang verfügbar. 

Zuerst regnete - schüttete - es aus Kübeln. Funde waren auf den untersuchten Flächen eine Seltenheit. Auf dem letzten Feld schließlich - kurz vor Beendigung der Suche - kam ein toller Fund zutage. 

Es handelt sich um eine, vermutlich neuzeitliche Petschaft, also eine Art Siegelstempel. Der Stempel zeigt die Buchstaben "FR" und ein vierbeiniges Tier im Lauf. es könnte sich um ein Reh oder evtl. auch einen Wolf handeln. 

Die Fundstelle liegt in unmittelbarer Nähe zu einer Altstraße. Möglich, dass das Objekt damit in Zusammenhang steht. 

Nach vorsichtiger und sorgfältiger Reinigung konnte der Stempelboden freigelegt werden. Gerade bei derartigen Kupferobjekten darf auf keinen Fall mit Säure (z.B. Zitronensäure) vorgegangen werden, wie es in manchen Sucherforen empfohlen wird. Auf diese Weise kann der Fundgegenstand massiv beschädigt und sogar zerstört werden! Über die Zeit hat sich eine dunkle Schicht gebildet. Es ist einerseits Dreck und andererseits eine oxidierte Metallschicht - auch Patina genannt. Kratzt oder bürstet man den Fund ab, kann diese Schicht abplatzen - dabei wird der Fundgegenstand beschädigt. es empfiehlt sich daher den Fund nicht völlig reinigen zu wollen. 

In diesem Fall wurde das Objekt mit Olivenöl und Wattestäbchen gereinigt. Für den hartnäckigen Schmutz kam Kaisernatron zum Einsatz und klares Wasser. 

Die Fundreinigung erfordert manchmal etwas Geduld, aber es lohnt sich, diese aufzuwenden. 

Die Patina konnte so bei diesem Fund gerettet werden und das Ergebnis spricht sicherlich für sich. 


Bild: Petschaft, Seitenansicht. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Petschaft, Bodenansicht. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Petschaft, Abdruck in Wachs. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Petschaft, Bodenansicht. Quelle: Hendrik Altmann. 



Freitag, 29. August 2014

Adelheidsdorf



Adelheidsdorf mach den Anfang im Ortsverzeichnis des Landkreises Celle auf Found Places. Und damit geht es auch gleich mit einem interessanten Ort los. 

Wenn man Adelheidsdorf auf alten Karten sucht, forscht man vergeblich danach. Die Gegend in der dieser Ort heute an der Kreisstraße 84 liegt bestand noch vor 200 Jahren aus Heide, Sumpf und Wald. 

Die Kurhannoversche Landesaufnahme von 1781 zeigt die Gegend als unbesiedelten Landstrich südlich der Stadt Celle. Lediglich die Poststraße nach Hannover und einige Nebenwege existieren. 

Ab 1824 entstand die einst als "Moorkolonie" bezeichnete Siedlung Adelheidsdorf. Der Name ist zurückzuführen auf Adelheid von Sachsen-Meiningen, die zu dieser Zeit Königin des Königreiches Hannover und Großbritannien war. Die ersten Siedler in Adelheidsdorf stammten aus verschiedenen Teilen des Königreiches Hannover. Im Jahr 1850 bestand Adelheidsdorf bereits aus 17 Wohngebäuden und zählte 112 Bewohner. Ab 1835 besaß der Ort einen eigenen Friedhof und ab 1838 eine eigene Schule. Die Siedler in Adelheidsdorf besaßen zwischen 30 und 60 Morgen Land. Haupteinahmequelle war der Torfbetrieb. 

Am anschaulichsten lässt sich die Entwicklung des Ortes kartografisch erfassen. Die erste, mir bekannte, Kartierung Adelheidsdorfes stammt aus dem Jahr 1847. In diesem Jahr wurde die topografische Spezialkarte nochmals überarbeitet und herausgegeben. In der ursprünglichen Ausfertigung aus dem Jahr 1822/1823 war die Kolonie Adelheidsdorf nicht verzeichnet. Im Jahr 1847 ist der Ort nun zwischen Bahnstrecke und Poststraße verzeichnet. Da Adelheidsdorf auf der rechten Straßenseite aus Richtung Celle angelegt wurde etablierte sich der Spruch, in Adelheidsdorf würden die Pfannkuchen "nur auf einer Seite gewendet". 

Bild: Adelheidsdorf 1847. Quelle Topografische Spezialkarte. 


Springt man in der Zeitachse ein paar Jahre vor - in das Jahr 1839 - so verrät der Papen-Atlas einiges über die Kolonie Adelheidsdorf. Man erkennt, dass die Kolonie unmittelbar südlich des Fuhsekanals erbaut wurde. Auch erkennt man deutlich, dass die einzelnen Parzellen unterschiedliche Größe hatten. Ab 1850 gesellte sich die Ortschaft Dasselsbruch hinzu und im Jahr 1915 folgte die Gründung Großmoors. 

Bild: Adelheidsdorf 1839. Quelle Papen-Atlas.  


Im Unterschied zum preußischen Messrischblatt von 1901 ist auf einer Karte des War Office aus dem Jahr 1945 Großmoor bereits verzeichnet. Diese Karte zeigt Adelheidsdorf als eine Art modernes Straßendorf. 

Bild: Adelheidsdorf 1945. Quelle War Office Map. 


Bereits diese drei Karten belegen, dass sich die Gegend um Adelheidsdorf im Laufe der vergangenen 250 Jahre grundlegend gewandelt hat. Von weitgehend unberührter Landschaft hin zum Celler Vorort. Mittlerweile liegt der Ort abseits der Hauptverkehrsverbindung nach Hannover. 

Weitere Informationen finden sich im Wikipedia-Eintrag zu Adelheidsdorf. Wer sich eingehender mit der Geschichte des Ortes Adelheidsdorf befassen möchte, kann zur Dorfchronik von Matthias Blazek greifen: 

Quelle: Matthias Blazek


Dieser Beitrag wird, wie andere Einträge im Ortsverzeichnis ebenfalls, laufend ergänzt und erweitert.  

Hendrik Altmann


Donnerstag, 28. August 2014

Inhaltsverzeichnis



Als dieser Blog am 17. Februar 2012 mit einem Beitrag zum Richtweg bei Lachendorf seinen Anfang nahm, war nicht abzusehen, wie sich das alles hier entwickeln würde. Mittlerweile erscheinen in Spitzenzeiten bis zu neun Beiträge im Monat. Dabei ist es für den ein oder anderen Leser schwer die Übersicht zu behalten. 

Dieses Inhaltsverzeichnis umfasst sämtliche Beiträge, die bisher erschienen sind. So lassen  sich diese besser wiederfinden. Als Tipp: der Blog hat eine Suchfunktion, die zu einzelnen Ortsnamen bereits gute Ergebnisse liefert. 


Inhaltsverzeichnis nach Erscheinungsdatum



Ortsarchiv: Adelheidsdorf   


Fund einer Petschaft


Ortsarchiv: Ahnsbeck


Scheinflugplatz, BGS-Übungsplatz und Waldbrand - die Geschichte des Schnittsumpfes bei Wilsche seit 1939...


Ortsarchiv: Altensalzkoth



Fundausstellung der Sondengänger-Gemeinschaft Allertal


Ortsarchiv: Altenhagen 


Marinesperrzeugamt Starkshorn - Teil II


Sage um den Schatz bei Eicklingen...


Bunker bei Höfer


Sage um den toten Wanderer bei Garßen


Ortsarchiv: Alvern


Praxiskurs für Sondengänger am 15. November 2014


Ortsarchiv: Bennebostel 


Einsatzhafen und Standort Dedelstorf


Gab es eine Bunkenburg?


Celle - vor 103 Jahren (Zeitung vom 7. Dezember 1911)


Der Kongoexpress - "Afrika bei Wienhausen"


Der "Heilige Berg" bei Sandlingen


Ein kleiner Fund mit einer großen Historie


Weihnachten im Ersten Weltkrieg


Saxhorst bei Langlingen - Hinweise auf eine alte Burganlage?


Legenden um den Silbersee bei Garßen


Das Wochenendgebiet zwischen Schwachhausen und Nordburg 


Celle - Stadtentwicklung seit 1732 in nur einer Minute (Video)


Tieffliegerangriff bei Wienhausen am 19. Februar 1945