f Leseprobe - Die letzten Kriegstage ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Donnerstag, 3. September 2015

Leseprobe - Die letzten Kriegstage



Am 15. August erschien das Buch "Die letzten Kriegstage - Kampfhandlungen im Flotwedel und angrenzenden Ortschaften - 12. bis 20. April 1945". Hier ist gibt es nun eine kostenlose Leseprobe. 

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Anfang Leseprobe

- Seite 38 -

1.6       Langlingen / Mühlenkanal

Wie bereits eingangs dargestellt, war das 334. getrennt vom 333. Inf. Reg vorgegangen. Zunächst über Burgdorf, dann über Wathlingen und Eicklingen, gelangte schließlich auch das 334. Inf. Reg. ins Flotwedel.[1] Allerdings war sein Vormarsch nicht so zügig, wie der des 333. – bereits in Wathlingen stieß das Regiment auf heftige Gegenwehr. Zudem war die Fuhsebrücke hinter Wathlingen gesprengt worden. Das 334. war vormittags in Wathlingen angekommen – erst nach Mittag war die deutsche Gegenwehr niedergekämpft oder vertrieben worden. Es vergingen weitere viereinhalb Stunden bis die Pioniere eine Behelfsbrücke über die Fuhse errichtet hatten.[2] Gegen 16:30 wandte sich das 334. nach Müden. Dort konnten einige Brücken unversehrt eingenommen werden.[3] Dies war unter anderem die heute immer noch stehende Allerbrücke bei Ettenbüttel die den U.S. Truppen einst unversehrt in die Hände fiel. Die U.S. Quellen sprechen davon, dass die Brücken bei Müden bereits vermint waren. So stieß das 1. Bat. des 334. Inf. Reg. bei Müden auf Allerbrücken, welche mit Bomben und TNT vermint waren.[4] Die Bomben waren vermutlich von andernorts zu den Brücken transportiert worden, wo sie durch deutsche Pioniere mit TNT an den Brücken befestigt wurden. Allerdings hatten sich die deutschen Soldaten bereits zurückgezogen, als das 334. anrückte. Die U.S. Truppen wurden durch Zivilisten im Ort gewarnt und konnten die Bomben und das TNT entschärfen.



Bild: After Action Report, 10. April bis 20. April 1945, 84. Inf. Div., S. 16.



[1] Draper, The 84th infantry division in the battle of Germany, S. 231.
[2] Ebd.
[3] Ebd.
[4] Ebd.

Das 2. Bat. des 334. Inf. Reg. meldete Ähnliches: südlich von Müden fand es eine verminte Brücke, an die sechs 500 Pfund U.S. Bomben mit der Nase nach Unten zeigend befestigt waren. Die Bomben waren mit TNT versehen und sollten von SS-Soldaten gezündet werden, die sich jedoch ca. 15 Minuten vor Eintreffen der U.S. Truppen mit ihrer Einheit zurückgezogen hatten.[1] Die U.S. Pioniere konnten auch hier die Ladungen entschärfen. Das 1. Bat. des 334. Inf. Reg. ging in Ettenbüttel in Stellung und verbrachte dort die Nacht.[2] Es hatte die Aller erfolgreich überquert. Das 3. Bat. des 334. Inf. Reg. gelangte am 12. April nach Langlingen. Dort wurde es jedoch von der gesprengten Allerbrücke aufgehalten.[3] Ein weiteres Vorrücken war somit am Nachmittag des 12. April nicht mehr möglich. Am Freitag, den 13. April, konnten die U.S. Truppen beachtliche Geländegewinne verbuchen. Das bei Ettenbüttel in Stellung gegangene 1. Bat. des 334. Inf. Reg. stieß am 13. April bis in den Raum Wittingen vor.[4] An diesem Tag wurde die 84. Inf. Div. umgegliedert und große Teile ihrer Angriffsverbände wurden anderen Einheiten zugeteilt. So wurde das 1. Bat. des 334. Inf. Reg. der 5. Armored Division zugeteilt, welche im Raum Gifhorn den Vorstoß in Richtung Elbe vorbereitete.[5] Am 12. April gegen Abend gelangte ebenfalls das 325. FA Bat. in den Raum Celle.[6] Dies geht aus den Erinnerungen von Kriegsveteranen der Einheiten hervor. Celle befand sich in der britischen Zone. Die U.S. Truppen erhielten scheinbar die Auskunft es gäbe nicht genügend Unterbringungsmöglichkeiten innerhalb der Stadt.[7] Die Nacht vom 12. Auf den 13. April verbrachte das 325. FA Bat. daher entlang der Straße zwischen Celle und Bockelskamp – etwa in Höhe der Ortschaft Flackenhorst.[8]



Bild: Nachtquartier bei Bockelskamp. Quelle: After Action Report, 10. April bis 20. April 1945, 325th Field Artillery, S. 3.




[1] After Action Report, 10. April bis 20. April 1945, 84. Inf. Div., S. 41.
[2] Ebd.
[3] Ebd.
[4] Draper, The 84th infantry division in the battle of Germany, S. 231.
[5] After Action Report, 10. April bis 20. April 1945, 84. Inf. Div., S. 41.
[6] Siehe Chronologie der 9th U.S. Air Force.
[7] Freese, Private Memories of World War II, S. 116.
[8] Ebd.


Am kommenden Tag sollte das 325. FA Bat. weiter über Wienhausen und Nordburg vorgehen. Dazu sollte es allerdings zunächst nicht kommen, denn die Ereignisse des 13. April durchkreuzten diesen Plan. Zunächst geriet das 3. Bat. des 334. Inf. Reg in eine brenzlige Situation.

1.6.1    Komplizierte Lage am Mühlenkanal

Das 1. Bat. des 334. Inf. Reg. begann am 13. April gegen 7:00 Uhr mit dem Vorstoß in Richtung Elbe.[1] Auf der Straße nach Wilsche wurden zwei deutsche Halbkettenfahrzeuge ausgeschaltet und eine unbekannte Zahl an Gefangenen gemacht.[2] Um 7:38 Uhr stießen die U.S. Truppen an der Poststraße zwischen Bokelberge und Wilsche auf zwei verlassene deutsche Panzer.[3] Es handelte sich um zwei abgestellte Jagdpanther. Dieses Ereignis wird an späterer Stelle nochmals von Bedeutung sein.


Bild: Allerbrücke Ettenbüttel heute. Quelle: Hendrik Altmann.


Währenddessen war die Situation des 3. Bat. des 334. Inf. Reg. am Morgen des 13. April recht unvorteilhaft. Eigentlich hätte es am Vortag über Langlingen vorstoßen sollen. Da dort aber die Allerbrücke gesprengt war, musste es westlich über Offensen / Schwachhausen ausweichen. In Schwachhausen war es dem 1. Bat. des 333. Inf. Reg. am 12. April gelungen die Allerbrücke unbeschädigt einzunehmen (s.o.). Also bewegten sich die Verbände des 3. Bat. am Morgen des 13. April 1945 auf der Landstraße in westliche Richtung auf Offensen zu. 



[1] After Action Report, 10. April bis 20. April 1945, 84. Inf. Div., S. 41.
[2] Ebd., S. 42
[3] S-2 Bericht, 10. April bis 20. April 1945, 334th Inf. Reg. , S. 12.


Der Vormarsch fand jedoch am Mühlenkanal ein abruptes Ende, denn auch hier war die Brücke bereits gesprengt worden.[1] Es sollen Einheiten des Volkssturmes gewesen sein, die für die Brückensprengung verantwortlich waren. 


Bild: Allerbrücke Langlingen heute. Quelle: Hendrik Altmann. 


Bild: Abmarsch des  3. Bat. des 334. Inf. Reg. aus Langlingen am 13. April 1945. Quelle: Google Earth.



[1] S-2 Bericht, 10. April bis 20. April 1945, 334th Inf. Reg. , S. 12.


1.6.2    Das 1. Bat. des 334. Inf. Reg. trifft auf die „Wikinger“

Südlich der zerstörten Mühlenkanalbrücke befand sich der Offensener Bahnhof an der Eisenbahnstrecke Celle – Gifhorn. Die Pioniere des 1. Bat. des 334. Inf. Reg. wurden zur Brücke geschickt, um diese zu reparieren. Währenddessen wurden Patrouillen in die südlich angrenzenden Waldgebiete ausgesandt. Im Wald gerieten diese unter deutschen Beschuss. Laut U.S. Quellen handelte es sich dabei vor allem um Handfeuerwaffen und nicht näher bezeichnete Geschütze. Bislang waren die Truppen der 84. U.S. Inf. Div. lediglich auf leichte Gegenwehr an Straßen und in Ortschaften gestoßen. Zumal die Spitzen der Division bereits fast bis an die Elbe vorgerückt waren, rechnete man so weit hinter der Front wohl nicht mehr damit, auf derartig massive deutsche Gegenwehr zu treffen.
Die K Kompanie wurde in den Wald südlich des Offensener Bahnhofs geschickt, um die deutschen Einheiten aufzuspüren.[1] Sie vermeldete, dass es sich wohl um sechs schwere deutsche Panzer, 8 Halbkettenfahrzeuge und etwa 100 Infanteristen handelte. Aber bevor die K Kompanie nahe genug herankommen konnte, begannen die Deutschen in nordwestliche Richtung auszubrechen.[2]


[1] Draper, The 84th infantry division in the battle of Germany, S. 232.
[2] Ebd. 







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