f Das Celler Lager im Großen Moor ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 31. Oktober 2017

Das Celler Lager im Großen Moor


Im Großen Moor bei Stüde (Landkreis Gifhorn) gab es früher ein Lager des Celler Zuchthauses. Rund 60 km vom Celler Stammgefängnis entfernt mussten Häftlinge in den dortigen Torfstichen arbeiten... 

Nachdem der Zweite Weltkrieg im Frühjahr 1945 geendet hatte, stand nach den warmen Sommermonaten der strenge Winter ins Haus. Lieferengpässe sorgten für eine Knappheit an Heizmaterial. So wurden vielerorts Wälder abgeholzt - auch durch die britische Besatzung. 

Kurz nach Kriegsende begann die Celler Stadtverwaltung wegen des akuten Brennstoffmangels die Torfwerke Habighorst und Stüde zu aktivieren. In Habighorst war bereits nach dem Ersten Weltkrieg Torf als Brennmaterial gewonnen worden. Ende 1946 arbeiteten dort wiederum 70 Arbeiter, wovon 50 aus der Celler Haftanstalt stammten. 

Bild: Torfabbau mit Raupen-Bagger und Bodenableger. Quelle: Tacke / Keppeler, Die niedersächsischen Moore und ihre Nutzung, Hannover 1940, S. 47. 

Das weitaus ergiebigere Torfabbaugebiet befand sich allerdings am Rand des Großen Moores bei Stüde im Landkreis Gifhorn. Bereits im Frühjahr 1946 konnte hier die Produktion aufgenommen werden. Dabei war das Torfabbaugebiet keineswegs neu. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg gab es nördlich von Gifhorn ausgedehnte Torfstiche. Als eine der größten Gesellschaften war hier die Norddeutsche Torfmoors Gesellschaft in Triangel bei Gifhorn tätig. Schon im Jahr 1925 arbeiteten ca. 547 Personen im Torfabbau. 


Bild: Celler Lager bei Stüde (Bildmitte). Quelle: DGM 1:25.000, 1981; Google Earth. 

Für das Celler Lager bei Stüde war eine Fläche von 110 Morgen von einem Studier Landwirt für 25 Jahre angepachtet worden. 110 Arbeiter wovon 90 Häftlinge der Celler Haftanstalt waren, arbeiteten fortan im Moor in der Torfgewinnung. Acht Aufseher waren für die Beaufsichtigung der Häftlinge zuständig.  

Nachdem der Torf gestochen war, musste er mittels Pressen getrocknet werden. War die Torfsaison beendet, konnte ebenfalls Holz gewonnen werden, das ebenfalls als Brennstoff abtransportiert wurde. Im Celler Lager bei Stüde konnte zudem noch ein wertvoller Rohstoff gewonnen werden: ca, 700 Bunde getrocknetes Binsengras, das an die Celler Bürstenfabrik geliefert und dort zu Besen weiterverarbeitet werden konnte. 

Die Celler Bürstenfabrik, die sich früher mitten in Celle in der Straße "Im Kreise" befand, war bereits Gegenstand eines vorherigen Beitrags: Klick

Bild: Celler Bürstenfabrik. Quelle: Archiv H. Altmann. 

Bild: Celler Bürstenfabrik. Quelle: Archiv H. Altmann. 

Auch wenn es die Celler Bürstenfabrik heute nicht mehr gibt, steht das einstige Fabrikgebäude immer noch. Das Haus ist saniert und vermietet. 

Bild: Celler Bürstenfabrik heute. Quelle: H. Altmann. 

Schon im Jahr 1949 hatte sich die Versorgungslage entspannt und Heizmaterial war in ausreichender Menge verfügbar. Damit ging der Torfabsatz der Celler Torfabbaustätten merklich zurück. Nur mit Mühe konnte der gewonnene Torf noch abgesetzt werden, da er ohnehin nur ein Behelfsbrennstoff war. 

Die Verluste des Celler Lagers bei Stüde stiegen im August 1949 bis auf rund 72.000 DM an. Daher sah die Stadtverwaltung keine Zukunft mehr im Weiterbetrieb der Torfabbaustätten. Das defizitäre Werk Stüde wurde schließlich im Jahr 1950 veräußert. 

Zunächst zogen Flüchtlingsfamilien in die leerstehenden Gebäude ein. Auch in den späteren Nachkriegsjahren blieb das Celler Lager bewohnt. Bis heute sind einzelne Gebäude noch in Privatbesitz und werden bewohnt. 

Vom Lager sind somit bis heute noch Teile erhalten geblieben. Über schmale Wege erreicht man das kleine Lager am Rand des Großen Moores. 

Bild: Weg zum Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Versteckt in den ausgedehnten Birkenwäldern befindet sich das einstige Celler Lager in unmittelbarer Nähe zum später errichteten Elbe-Seitenkanal. An baulicher Substanz fällt zunächst ein massives Gebäude im zentralen Lagerbereich ins Auge. 

Das eingeschossige Gebäude könnte früher die Torfpressen beherbergt haben, da es insbesondere über entsprechende bauliche Vorrichtungen und Stromanschlüsse verfügt. 

Bild: Lagergebäude im Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Das Lager verfügte über eine gesonderte Stromversorgung, die eigens hierfür angelegt worden war. 

Bild: Lagergebäude im Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Bild: Lagergebäude im Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Neben dem massiven Lagergebäude gibt es im Bereich des Celler Lagers noch eine alte Nissenhütte. Aufgrund ihrer Bauart scheint diese ebenfalls aus der Gründungszeit des Celler Lagers zu stammen. 

Bild: Nissenhütte im Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Unmittelbar am Zufahrtsweg befinden sich weitere bereits stark verfallene Gebäudeteile. Diese scheinen auch in den Folgejahren noch zu unterschiedlichen Zwecken genutzt worden zu sein. 

Bild: verfallenes Gebäude im Celler Lager bei Stüde heute. Quelle: H. Altmann. 

Umgeben ist das Celler Lager von den Weiten des Großen Moores, welches sich im Westen bis über Neudorf-Platendorf hinaus erstreckt. Die Gegend ist bis heute vom Torfabbau geprägt. 

Bild: Torfabbau im Großen Moor heute. Quelle: H. Altmann. 

Die Geschichte des Celler Lagers bei Stüde verdeutlicht wie vielschichtig das Thema Heimatforschung sein kann. Ohne die entsprechenden Verknüpfungen würde man schlichtweg nicht auf die Idee kommen, am Rand des Celler Moores, ein ehemaliges Lager des Celler Zuchthauses zu suchen. 

Die Arbeitsgemeinschaft Fahrradwege in der Gemeinde Sassenburg setzt sich für Themenradwege mit historischem Bezug ein. Gerne habe ich hierfür Bildmaterial zur verfügung gestellt und mich sehr gefreut auf diese Geschichte aufmerksam gemacht worden zu sein. Ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig eine gute Vernetzung im Bereich der Heimatforschung ist. 

H. Altmann



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