f Der geheime Scheinflugplatz bei Bokel ~ Heimatforschung im Landkreis Celle

Dienstag, 21. Februar 2017

Der geheime Scheinflugplatz bei Bokel



Im Dreieck zwischen Celle, Uelzen und Gifhorn gab es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zahlreiche deutsche Rüstungseinrichtungen. Insbesondere die Luftwaffe nutzte die großen Freiflächen der Heidegebiete, da diese günstig und unkompliziert erworben werden konnten. Arbeitskräfte standen in großer Zahl zur Verfügung, da in etlichen Lagern Fremdarbeiter und Militärinternierte zum Arbeitseinsatz herangezogen werden konnten. 

Neben den großen Flugplätzen in Wesendorf, Dedelstorf und Wietzenbruch gab es viele Ausweich- und Abstellflächen. Die zunehmende Bedrohung aus der Luft machte darüber hinaus aber auch noch andere Anlagen erforderlich. Bei Wilsche war zur Ablenkung feindlicher Bomberverbände ein sogenannter Scheinflughafen errichtet worden. Aus Holz wurden dort Attrappen von Hangar-Gebäuden und anderen Einrichtungen aufgestellt. Quellen und Aufzeichnungen findet man über diese, bereits früher sehr geheimen Anlagen, heute kaum noch. Zeit- und Augenzeugen gibt es fast keine mehr, denn die Zivilbevölkerung bekam meist erst ach Kriegsende mit worum es sich bei den Anlagen handelte. 

Vieles spricht dafür, dass nicht nur der Fliegerhorst Wesendorf einen Scheinflughafen hatte, sondern dass auch der Fliegerhorst Dedelstorf einen solchen besaß. Zumindest findet sich beim wenige Kilometer nördlich gelegenen Ort Bokel ein entsprechender "Flugplatz". 

Bild: Bokel und der mutmaßliche Flugplatz. Quelle: Google Earth, War Office Map 1951. 


Die Karte des britischen War Office aus dem Jahr 1951 basiert auf den historischen preußischen / deutschen Messtischblättern. Diese Kartengrundlage wurde im Zweiten Weltkrieg von den Ingenieuren der alliierten Luftaufklärung um Orte und Gebäude ergänzt, die auf Luftbildern erkannt worden waren. Und so findet sich unmittelbar nordöstlich des Ortes Bokel der Hinweis auf ein "Airfield" - also einen Flugplatz. 

In der Karte sind ebenfalls ein Landekreuz und einige Gebäude sowie Zufahrtswege verzeichnet. Allerdings werfen bereits die mickrigen Ausmaße des Flugfeldes Fragen auf - kann es sich hierbei tatsächlich um einen einsatzbereiten Flughafen der deutschen Luftwaffe während des Krieges gehandelt haben? 

Bild: Flugplatz bei Bokel. Quelle: Google Earth, War Office Map 1951. 


Vor Ort ist es heute schwierig noch erkennbare Spuren des einstigen Flugplatzes zu finden. Eigentlich sieht alles recht idyllisch aus. Darüber hinaus scheint die Gegend für einen Flugplatz viel zu hügelig und uneben zu sein. 

Trotzdem lassen sich einige Reste der damaligen Anlagen finden, wenn man sich an die oben bezeichnete Karte hält. So fällt insbesondere die betonierte Zufahrtsstraße auf. Diese Bauweise war typisch für die Flugfelder in damaliger Zeit und wurde unter anderem auch auf dem Einsatzhafen Hustedt verwendet. 

Bild: Reste der Zufahrtsstraße und Rollbahn. Quelle: H. Altmann. 


Zur Linken eröffnet sich relativ bald eine weite ebene Fläche. Der historischen Karte nach lag in diesem Bereich einst das Landekreuz des Flugplatzes. Hiervon ist heute aber nichts mehr zu erkennen. Unklar ist somit die stark befestigt die Lande- und Startbahnen waren. 

Bild: ehem. Flugfeld. Quelle: H. Altmann. 


Unmittelbar stellt sich die Frage wo die Flugzeuge abgestellt wurden, die hier hätten starten sollen. Es war nich unüblich die Maschinen in dreieckigen Einschnitten abzustellen, die in die Waldränder geschlagen wurden. So wurde unter anderem auch auf den Abstellflächen bei Zahrenholz verfahren. Trotzdem hätte es bei einem langfristig geplanten Flugfeld entsprechende Infrastruktur und Gebäude gegeben. Man hätte kein aufwändiges Landekreuz in die Landschaft gebaut ohne entsprechende Abstellmöglichkeiten zu errichten. Quasi ein Widerspruch in sich. 

Auch die Anzahl der in der Karte eingetragenen Gebäude passt nicht zu einem richtigen Flugplatz. Ein solcher hätte Lagerplatze, Unterkünfte, Treibstoffanlagen etc. erfordert. Es scheint somit schwer vorstellbar, dass 5-6 kleine Gebäude, die der Karte nach sehr wahrscheinlich nur Baracken waren, zum Betrieb eines einsatzfähigen Flugplatzes ausgereicht haben. 

Es spricht also einiges dafür, dass es sich nicht um ein richtiges Flugfeld, sondern nur um einen angetäuschten Platz handelt. Diese sogenannten Scheinflughäfen sollten feindlicher Bomber auf eine falsche Fährte locken. Sie waren so angelegt, dass sie von den alliierten Aufklärern entdeckt werden sollten. Gelegentlich wurden sie auch nachts beleuchtet. 

Möglicherweise ist diese Taktik beim Scheinflugplatz bei Bokel aufgegangen. Im angrenzenden Wald finden sich zahlreiche Einschlagskrater, die augenscheinlich von Fliegerbomben stammen. 

Bild: Bombenkrater im Wald. Quelle: H. Altmann. 


Leider sind sowohl über den Flugplatz als auch seine mögliche Bombardierung kaum Informationen verfügbar. Auch die lokalen Chroniken sind hinsichtlich dieser Zusammenhänge nicht stichhaltig. Es bleiben somit bisher nur die noch erkennbaren Spuren, um auf die historischen Gegebenheiten zu schlussfolgern. 

Auch im Zusammenhang zum Standort Dedelstorf gibt es leider keine Hinweise darauf, dass bei Bokel ein offizieller Scheinflugplatz existiert hat. 

Bild: Bombenkrater im Wald. Quelle: H. Altmann. 


Interessant ist warum im britischen Kartenmaterial der Hinweis auf einen Flugplatz gegeben wird. Für gewöhnlich geschah so etwas nur dann, wenn vor Ort tatsächlich Start- und Landemöglichkeiten vorhanden waren. 

Insgesamt lässt sich festhalten, dass so einiges an der Geschichte des einstigen (Schein-)Flugplatzes bei Bokel im Dunkeln liegt. Möglicherweise können in Zukunft neue Erkenntnisse gewonnen werden. Aufgrund der schwierigen und dünnen Quellenlage lässt sich insofern nach heutigem Stand leider nur feststellen, dass es hier einst einen möglichen Flugplatz gegeben hat. Die noch vorhandenen Relikte und Hinweise begründen den Verdacht, dass es sich um einen Scheinflughafen zur Deckung des Fliegerhorsts bei Dedelstorf gehandelt haben kann. 

Über weitere Hinweise freue ich mich immer: found-places@live.de 


Hendrik

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